"Le Monde": EU-Partner über Ende der Schüssel-Regierung erleichtert

12. September 2002, 11:19
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Schwarz-blaue Allianz wird nach wie vor als "beschämend" empfunden

Paris - "Österreichs europäische Partner sind erleichtert über den Rücktritt der Regierung (von Bundeskanzler Wolfgang) Schüssel. Aber abgesehen davon, dass sie es nicht öffentlich sagen können, ziehen sie es vor, das Ergebnis der Wahlen im November abzuwarten. Dann hoffen sie endgültig einen Schlussstrich unter eine Regierung mit einer populistischen und rechtsextremen Partei ziehen zu können, die als beschämend für die Europäische Union beurteilt wird." Dies schreibt die führende französische Tageszeitung "Le Monde" (Donnerstag-Ausgabe) zum Ende der schwarz-blauen Koalition nach mehr als zweieinhalb Jahren in Österreich.

"Eine gewisse Beunruhigung zeigt sich allerdings in Bezug auf den Terminkalender. Der österreichische Wahlkampf, der die Vorurteile eines Teils der Wähler gegen die Erweiterung der Union aufstacheln dürfte, könnte die Vorbereitungen des europäischen Gipfeltreffens von Brüssel am 24. und 25. Oktober belasten", heißt es in dem Artikel.

Zu Haiders offizieller Rückkehr an die Spitze der Freiheitlichen Partei meint "Le Monde": "Die Linie der FPÖ dürfte einen weitaus deutlicheren antieuropäischen Kurs einschlagen als zuvor, als sich diese Partei noch durch den Koalitionspakt mit den Konservativen gebunden fühlte. Die Euroskeptiker können ein breites Reservoir von Themen ausschöpfen, auf das sie überdies seit zweieinhalb Jahren nicht verzichtet haben." Als Beispiele nennt die Zeitung die hohe Arbeitslosenrate und den Konflikt mit Prag in Bezug auf die Entschädigung für die Sudetendeutschen und auf das AKW Temelin. (APA)

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