Italien: "Sit-In" vor den Supermärkten

15. September 2002, 18:55
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Teuro: Verbraucher feiern erfolgreichen "Konsumboykott" - 40 Prozent der Italiener verzichteten auf Einkäufe - Kritik an der Regierung

Rom (APA) - Die italienischen Verbraucherschutzverbände feiern den Erfolg des am Donnerstag ausgerufenen "Konsumboykotts" in Italien. Laut den Konsumentenorganisationen schlossen sich 40 Prozent der Italiener dem Streik gegen den "Teuroeffekt" an, der die Kaufkraft der Familien drückt. "Dies bedeutet, dass zirka 20 Millionen Italiener auf unseren Appell reagiert und auf Einkäufe verzichtet haben", betonte ein Sprecher des Konsumentenschutzverbands Codacons, der mit Gewerkschaftsorganisationen und Oppositionsparteien zum Protest aufgerufen hat.

Vor größeren Supermärkten und Einkaufszentren organisierten die Konsumentenschutzverbände Sit Ins, um die Verbraucher aufzufordern, sich dem Protest anzuschließen. Mehrere Supermärkte in Rom meldeten einen Kundenrückgang. Die Grünen demonstrierten vor dem römischen Parlament gegen den gewaltigen Preisanstieg. Bestimmte Produkte und Dienstleistungen seien bis zu 25 Prozent teurer geworden.

Kritik an der Regierung

Die Grünen und die Altkommunisten (Opposition) beschuldigten die Mitte-Rechts-Regierung von Silvio Berlusconi, die Bürger vor der Teuerungswelle nicht zu verteidigen, die jeder italienischer Familie bis Jahresende durchschnittlich 1.000 Euro koste. Viele Familien seien mit ihrem Einkommen nicht mehr in der Lage, der hohen Inflation Stand zu halten, die laut offizieller Angaben im August jedoch um nur 2,4 Prozent auf Jahresbasis gestiegen ist. Das Statistikamt Istat wird beschuldigt, unrealistische Inflationsangaben zu veröffentlichen.

Die Geschäftsleute wiesen den Vorwurf zurück, für den Preisanstieg seit der Euro-Einführung im Jänner verantwortlich zu sein. Sie erklärten sich ebenfalls Opfer der Teuerungswelle, die die Kaufkraft der Italiener stark reduziert und den Konsum eingeschränkt habe. Der Kaufleuteverband Confcommercio will in den nächsten Tagen über einen Protest gegen die Regierung entscheiden, die ungenügende Maßnahmen zur Ankurbelung des stagnierenden Konsums ergriffen habe. (APA)

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