Fed-Präsident appelliert an US-Vorstände zum Gehaltsverzicht

12. September 2002, 17:56
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Adelphia hält Abfindung für Ex-Chef zurück

New York - Der Präsident der Federal Reserve Bank von New York, William McDonough, hat Vorstandsmitglieder von US-Unternehmen aufgerufen, auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten. Die Gehälter der Firmenchefs und Vorstandsmitglieder seien überhöht und moralisch schwer zu rechtfertigen, sagte McDonough am Mittwoch bei einer Gedenkfeier unweit des "Ground Zero" in New York.

"Angefangen bei den stärksten Unternehmen, sollten die Chefs und Vorstände einfach zu dem Schluss kommen, dass ihre Gehälter überzogen sind und sie auf ein vernünftigeres und leichter zu rechtfertigenderes Niveau kürzen", sagte McDonough in seiner Rede weiter. Die Gehälter in den Vorstandsetagen der Aktiengesellschaften seien in den vergangenen 20 Jahren auf das 400fache des durchschnittlichen Lohns eines Arbeiters angeschwollen, im Vergleich zu dem 42fachen Wert vor zwei Jahrzehnten.

Freiwilliger Verzicht

Der freiwillige Verzicht auf einen Teil des Gehalts werde den Aktionären zugute kommen und die US-Wirtschaft stärken, sagte McDonough weiter. "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Spitzen der US-Wirtschaft bei zahlreichen US-Bürgern und unzähligen anderen in der Welt Fragen nach unserem Urteilsvermögen und unserer Ethik aufgeworfen haben", sagte er.

Mit seinen Kommentaren äußerte sich McDonough in der Öffentlichkeit so deutlich wie bisher noch kein hochrangiger Amtsträger. Der Präsident der New York Stock Exchange, Richard Grasso, hatte sich für strengere Verhaltensregeln in den Unternehmen ausgesprochen. Die jeweiligen Chefs der Investmentbanken Goldman Sachs und Merrill Lynch hatten Maßnahmen zur Wiederherstellung des Vertrauens der Anleger gefordert. Die Bezahlung wurde bisher hingegen als Sache der Unternehmensvorstände gesehen.

Adelphia hält Abfindung für Ex-Chef zurück

Unterdessen hält der insolvente US-Kabelfernsehbetreiber Adelphia Communications Corp hält nach Angaben aus Kreisen vereinbarte Abfindungszahlungen an ihren ehemaligen CEO John Rigas, der des Betrugs an dem Unternehmen und seinen Investoren beschuldigt wird, zurück. "Adelphia hat weder Zahlungen geleistet, noch hat es die Absicht, irgendwelche Zahlungen zu leisten. Das Unternehmen glaubt, damit im Recht zu sein", wurde Reuters aus den Kreisen am Mittwoch mitgeteilt. Ein Adelphia-Sprecher lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Der Anwalt von Rigas, Peter Fleming, war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (APA/Reuters)

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