
Kein stetiges Klack-Klack-Geräusch, wenn sie auf den Schiffen hin und her gehen, wie Gregory Peck es mit seinem Holzbein erzeugte, als er hier im Hafen von Youghal das Beladen des Schiffes überwachte, um dann als Kapitän Ahab Jagd auf den Weißen Wal zu machen. 1954 mimte Peck den Mann mit dem bösen Blick.
Um die eindrucksvollen Bilder des Kampfes von Kapitän Ahab gegen die Naturgewalten und den Weißen Wal zu seiner Zufriedenheit abzudrehen, benötigte Regisseur John Huston fast zwei Jahre. Die Produktionskosten beliefen sich auf fünf Millionen Dollar. 1954 war das eine Menge Geld. Gedreht wurde der Abenteuerfilm vorwiegend an den Küsten von Irland und Wales mit Youghal als Hafenstadt. Trotz seiner viel gelobten Bildsprache lockte "Moby Dick" damals nicht so viele Besucher ins Kino wie erwartet und wurde ein kommerzieller Misserfolg. Zumindest für die Filmindustrie.
Nicht aber für Paddy Linehans. Für den Wirt ist "Moby Dick" seit fast 50 Jahren eine beständige und äußerst profitable Einnahmequelle. Während der Dreharbeiten im Hafen von Youghal kamen Gregory Peck und seine Kollegen, darunter Richard Basehart und Orson Welles, manchmal schon vor Drehbeginn auf ein Guinness in seiner Kneipe vorbei. "Die war damals in einem erbärmlichen Zustand", erinnert sich der 82-jährige Wirt.
Die Schauspieler hat es nicht gestört. Die Kneipe lag direkt am Filmset, Paddy schenkte schnell ein und machte derbe Witze. Was wollte man mehr? Da Huston manchmal schon im Morgengrauen drehte, erhielt Paddy eine Sondergenehmigung und durfte schon um sechs Uhr morgens öffnen. Als die Filmcrew nach einigen Monaten abzog, hatte Paddy einige illustre Freunde gewonnen, war finanziell saniert und konnte seine Kneipe neu einrichten.
In der hängt neben vielen Fotos, die während der Dreharbeiten entstanden, ein Brief von John Huston, datiert vom 2. August 1954. Der Regisseur schreibt dem Wirt kurz vor seiner Abreise, dass er schon in vielen Ländern gearbeitet habe, "aber noch nirgendwo auf der ganzen Welt sind ich und meine Kollegen so herzlich aufgenommen worden wie in Youghal". Das sei die Meinung der gesamten Filmcrew, so Huston weiter. "Nach dem Filmende werden wir alle woanders arbeiten. Aber die Erinnerung an Youghal wird bleiben."
Sein Versprechen, in die kleine Hafenstadt zurückzukehren, hat der Regisseur allerdings nicht gehalten, bedauert Paddy. Dafür erhielt er zum Abschluss Pecks Holzbein. Wenn Paddy gut aufgelegt ist, dann holt er es zur Freude der Gäste hervor und schlüpft für ein paar Minuten in die Rolle von Kapitän Ahab.
Erstaunlich: Obwohl der Film schon vor 50 Jahren gedreht wurde, machen immer noch viele Touristen nur wegen des Filmes einen Abstecher nach Youghal. Sie sind auf der Suche nach der düsteren, unheilverkündenden Stimmung im Hafen, die sie aus dem Film kennen. Paddy hat kleine Faltblätter in zehn Sprachen aufliegen, die über Film, Stadt und Kneipe informieren. Youghal liegt dort, wo der Blackwater River, der größte Fluss im Süden Irlands, auf den Atlantik trifft. Durch seine günstige Küstenlage verfügt der Ort sogar über einen fünf Kilometer langen Sandstrand. Die lang gestreckte Stadt mit dem schönen Meeresblick war einst ein Geschenk Königin Elisabeths I. an Sir Walter Raleigh, der Youghal später an den Earl of Cork verkaufte.
Das schönste Geschenk für Paddy ist es, wenn die Gäste mit ihm über den Film reden. Zum Abschied winkt er wie Gregory Peck, der nach einem ungleichen Kampf in den Fangseilen am Weißen Wal hängt. Doch während Peck seine Männer auffordert, ihm in den Tod zu folgen, hat Paddy angenehmere Absichten: "Komm doch noch einmal rein und trink ein Bier!" (Thomas Rentschler/DER STANDARD, Printausgabe)
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