In zwei Wochen beginnt der Herbst

12. September 2002, 10:49
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...und die Sturm-Saison - Nur mit dem langen Schlafen wird nichts - das Ende der Sommerzeit ist erst im Oktober...

Wien - Angesichts der verheerenden Überschwemmungen wird dem Katastrophensommer 2002 wohl kaum eine "gute Nachrede" beschieden sein. Und viele dürften froh sein, wenn am 23. September der Herbst beginnt. Exakt um 6.55 Uhr MESZ, steht die Sonne genau über dem Äquator, um ihre Reise später in die südliche Hemisphäre fortzusetzen.

Die Zeit, in der die Früchte reif

Hergeleitet vom griechischen "karpos", was übersetzt so viel bedeutet wie "die Zeit, in der die Früchte reif sind", konnte sich die Bezeichnung Herbst in unseren Breitengraden erst recht spät durchsetzten. Ursprünglich kannte man zumeist nur eine Zweiteilung des Jahres in eine fruchtbare und eine unfruchtbare Zeit, in Sommer und Winter.

Dessen ungeachtet konnte der Herbst jedoch als eigenständige dritte Jahreszeit einen festen Platz im Lauf des bäuerlichen Wirtschaftsjahres einnehmen und seinen Einzug ins Brauchtum halten, wobei er sich als Zeit der Fülle und der Feste präsentierte.

Sturm-Saison

"Am besten ist er direkt vom Fassl, und hinein ins Glasl", verrät etwa der Winzer Andi Kollwentz aus Großhöflein (Burgenland).

Im frischen Zustand gepresst, beginnt der Traubensaft rasch zu gären: "Ab einem Alkoholgehalt von einem Prozent wird der Most vom Gesetz her als Sturm bezeichnet, bis die Gärung abgeschlossen ist", erklärt Kollwentz. Nach der Pressung in Tanks abgefüllt, setzen sich innerhalb der ersten zwölf bis 36 Stunden die groben Stoffe ab (etwa zwei bis sieben Prozent der Gesamtmenge). Anschließend wird der klare Most abgezogen und gelangt zur Gärung.

Der Gärungsprozess kann auf zwei Arten stattfinden: "Wenn man abwartet, bis sich die natürliche Hefe vermehrt, beginnt die so genannte spontane Gärung nach zwei bis vier Tagen", erzählt Kollwentz. Wer den Traubensaft rascher kredenzen will, muss gezüchtete Hefe zusetzen, die den Vorgang schon innerhalb der ersten 24 Stunden auslöst.

Die ersten Trauben sind für den Sturm bestimmt

Bereits im August reifen die ersten Trauben. Sie eignen sich oft noch nicht zur Produktion von Qualitätswein und werden deshalb gleich zu dem begehrten Saft verarbeitet. "Einen guten Sturm kann man ab Mitte August bis einschließlich November trinken", rät Kollwentz den Liebhabern des vergorenen Traubensaftes.

Vor "Martini sagt man nicht "Prost" sondern "Mahlzeit"

Zum echten Genuss gehören natürlich auch die richtigen Trinkgewohnheiten. Dass der Sturm nur mit der linken Hand getrunken wird, ist eine alte Tradition: "Vor Martini, wenn der Wein noch nicht gesegnet ist, darf man nicht anstoßen und auch nicht 'Prost!' sagen", so will es ein alter Brauch. Man sagt deshalb stilgerecht: "Mahlzeit!"

Wer mit dem Getränk allerdings zum ersten Mal Bekanntschaft macht, sollte Vorsicht walten lassen. "Amateure" unterschätzen nicht nur den Alkoholgehalt, es gibt auch andere Nebenwirkungen: "Der pfeift durch wie ein frischer Wind", wird der Sturm in dieser Hinsicht oft seinem Namen gerecht.

Genießen lässt sich der Rebensaft in praktisch jedem Stadium seiner Entwicklung: Liegt der Alkoholgehalt am Beginn bei einem Volumsprozent, kann er durch Vergärung des Zuckers bis auf acht bis zehn Prozent ansteigen. "Da scheiden sich dann die Geister. Die einen bevorzugen den Sturm im frühen Stadium, andere trinken ihn als 'Staubigen', wenn er durch die Gärung trüb-weiß geworden ist", weiß Kollwentz. Sein abschließender Tipp für Genießer: "Am besten mundet der Sturm, der sein unvergleichliches Aroma nur ein paar Tage behält, in der Regel pur und möglichst gekühlt."

Sommerzeit endet erst im Oktober

Langschläfer müssen - Herbst hin oder her - noch etwas warten. Ihre Stunde schlägt erst am 27. Oktober, wenn mit dem Ende der Sommerzeit zusätzliche 60 Minuten in Morpheus Armen winken. (APA)

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