Kaninchen erhielt Penis-Teilimplantat

12. September 2002, 09:00
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Ersatzgewebe gezüchtet - Paarung gelang

London - Mit einem künstlich gezüchteten Penis-Teilimplantat haben sich Kaninchen im Labor von US-Forschern wieder erfolgreich gepaart. Die Mediziner um Anthony Atala von der Harvard Medical School in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) hatten den Tieren die Schwellkörper des Penis entfernt und aus den Zellen gezüchtetes Gewebe wieder eingepflanzt, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin in seiner am Samstag erscheinenden Ausgabe. Atala hofft, mit dieser Methode künftig auch Penisverletzungen oder fehlerhafte Genitalien bei Kindern behandeln zu können.

"Der Penis ist komplexer als alle anderen Organe, die wir bisher konstruiert haben", sagte Atala. Den Medizinern war es gelungen, Ersatzgewebe aus Zellen des Schwellkörpers im Labor zu züchten. Ein spezielles Kollagen-Gerüst sorgte dafür, dass der Zellverband in die richtige Form wuchs. Dieses Ersatzgewebe wurde dann mit den intakt gelassenen Nerven und der Harnröhre verbunden. Da nur körpereigene Zellen verpflanzt wurden, gab es nach der Implantation keine Probleme mit einer Abstoßung, wie sie bei Transplantationen auftritt.

Nur etwas druckschwächer

Nachdem sich die Kaninchen von der Operation erholt hatten, stand einer Paarung nichts mehr im Wege. Wurden sie zu einem Weibchen gesetzt, versuchten sie nach 30 Sekunden, Sex zu haben. "Sie konnten sich paaren, in das Weibchen eindringen und Sperma produzieren", sagte Atala. Eine gewisse Schwäche hatte der gezüchtete Penis allerdings noch, wie weitere Studien zeigten: Er hat nur halb so viel Druck wie ein normaler erigierter Penis.

Die genauen Ergebnisse der Forscher sollen in der Oktober-Ausgabe des US-Fachblattes "The Journal of Urology" erscheinen. Als nächstes wollen Atala und seine Kollegen versuchen, einen kompletten Penis einschließlich Nerven zu züchten. (APA/dpa)

Vgl. "New Scientist" (Nr. 2360, S. 14)
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