"Die Idylle soll bleiben"

12. September 2002, 11:06
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Trotz Neugestaltung soll der Votivpark seinen stillen Zauber behalten

Wien - "Dafür sind unsere Parks zu kostbar." Paul Schiller versteht nicht, wieso diese Frage überhaupt auftaucht: "Wenn wir uns ehrlich sind, ist doch ganz Wien eine Hundezone", seufzt Wiens Stadtgartenamtsdirektor, "da werde ich nicht noch ein Stück Park abgrenzen - zum Hundeklo im Hundeklo erklären." Nicht, wenn er es irgendwie verhindern kann - und sicher nicht, wenn der Park in einem "romantischen, stillen, fast vergessenen idyllischen Winkel" der Stadt liegt: im Votivpark.

Wenn in wenigen Tagen der "Luna Park", die sommerliche Bespielung des ehemaligen Minigolfplatzes hinter der Kirche, schließt, ist Schiller mit seiner MA 42 (Stadtgartenamt) am Zug: Für den Minigolf-Pavillon gibt es einen gültigen Abrissbescheid, die Minigolfbahnen hat die ehemalige Pächterin selbst zerstört - und "spätestens im Frühjahr", soll der Park hinter der Kirche "ein offenes Areal" sein, erklärt Schiller.

Dass das bedeuten müsse, den schattig-romantischen Garten aus seinem Dornröschenschlaf wachzuküssen, verneint Schiller: "Die Idylle soll erhalten bleiben." Deshalb seien auch alle Gerüchte über Buffets, Pavillons oder "sonstige Gschnase" völlig aus der Luft gegriffen. Auch ein "Rosarium" werde es nicht geben: Für eine derartige Rosenartenschau brauche man viel Sonne - und Bäume werde man "sicher nicht fällen."

Im neunten Bezirk erwartet man die konkreten Gestaltungsvorschläge für den Park bis Anfang Oktober. Danach, so Bezirksvorsteher Hans Benke (SP), würden die Pläne dem Umweltausschuss vorgelegt - und "spätestens im Frühjahr" solle der Park dann neu gestaltet und fertig sein.

Ginge es nach Benke, müsste man sich dabei nicht nur auf den versteckten Teil hinter der Kirche beschränken: Den großen, von Straßen zerschnittenen Platz zwischen Kirche, Universität und Ringstraße zu einer durchgehende Erholungszone zu machen, "wäre schon ein Traum - aber das wird es bis auf weiteres leider nicht spielen". (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

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