Ordnung ist das ganze Leben

11. September 2002, 19:27
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Ulrike Lienbacher räumt in der MAK-Galerie körperintensiv auf

Ein sauberes Mädchen, in aufgeräumter Stimmung sein, sich mit etwas beschmutzen, mit Vorurteilen aufräumen, reine Hände oder weiße Westen haben: Sprachsymbole, die für Reinlichkeit bzw. ihr Gegenteil stehen. Von der Sprach- auf die Bildebene transponiert dies Ulrike Lienbacher nun - dabei schlüssig wie unaufdringlich - in der MAK-Galerie.

Während ihre bis 15. 9. in Valie Exports "Transparentem Raum" (Stadtbahnbogen Josefstädter Straße/Uhlplatz) gezeichneten Pin Up Übungen - Möchtegernposen als Vorgabe/Wunschvorstellung - hängen, geht die 1963 geborene Salzburgerin im MAK ans Aufräumen.

Optische Klammer der sparsam wie gekonnt gesetzten Installation ist der absolut "uncoole" Linoleumbodenbelag, der zu dem erotisch-fetischhaften Nippes und den kunstpelzüberzogenen Hockern (die sie übrigens ab 20. 9. in der Galerie Krinzinger zeigt) der studierten Bildhauerin führt.

Ihre sparsamen, extrem poetischen Zeichnungen zeigen meist Körper(-teile) in alltäglichen, quasi automatischen Gesten und Bewegungen, ordnende, reinigende Tätigkeiten. Oder auch eingefahrene Muster, die sich in einem Videotrickfilm in Endlosschleife wiederholen: Frisur richten, Auflösung derselben im Wasserbecken - alles mit ins Absurde kippender Note.

Weiter gesehen geht es hier um Arten der Selbstdisziplinierung in Zeiten des lust- wie auch leistungsorientierten Wellnessdranges, bei dem der Körper als willfähriges Vehikel zu funktionieren hat. Das kann das Thema Zivilisationskrankheit Bulimie streifen, Waschzwang, bis hin zur Körperoptimierung durch genetische Manipulation. Dennoch lässt Lienbacher dankenswerterweise vieles offen, sie steht da eher in der Tradition der Körpergefühlsbilder einer Maria Lassnig oder der Körpervermessungen und -analysen von Valie Export.

So viel Reinlichkeit muss gebrochen werden: Der Schmutz fordert ebenso sein Recht - als fetter, vom Bildschirm herabrinnender Farbpatzen. (dok / DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

MAK-Galerie, 1., Stubenring 5, (01) 711 36-0. Bis 27.10.
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