Michael Bloomberg: Ein ruhiger Verwalter der Weltmetropole

11. September 2002, 19:15
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von Susi Schneider

"Alles, was ich tun kann, ist, diese Stadt für jene, die hier geblieben sind, in die Zukunft zu führen", erklärte Michael Bloomberg in einem Interview kurz vor dem Jahrestag von
9/11. Der erste New Yorker Bürgermeister des 21. Jahrhunderts hat sein Amt am 31. Dezember 2001 von seinem populären Vorgänger Rudy Giuliani übernommen, der nach der Terrorattacke auf das World Trade Center die Herzen der New Yorker und der Welt erobert hatte.

Bloomberg versuchte gar nicht erst, in Giulianis Fußstapfen zu treten: Von Anfang an war sein Stil "low key", zurückhaltend, ruhig und mit oftmaligem Verzicht auf Auftritte im Rampenlicht. Für manche Beobachter ist der 60-jährige, besonnen wirkende und geradezu unpolitische Milliardär, der seinen Wahlkampf selbst finanziert hatte, sogar die Antithese von dem, was New Yorker von ihrem Bürgermeister erwarten: Er will in die Annalen der Stadtgeschichte lediglich als "der beste Delegierer" eingehen, den die Stadt je gesehen hat.

Zu Beginn seiner Amtszeit wurde Bloomberg allerdings kritisiert, er delegiere zu viel und sei zu wenig in New York - der geschiedene Bloomberg, der den Frauen sehr zugetan ist, verbrachte nach dem Geschmack nicht weniger Leute zu viele Wochenenden in seinem Haus auf den Bermudas. Darüber hinaus verordnete er eine Reihe von wenig populären Budgetkürzungen.

Der ehemalige liberale Demokrat, der als Republikaner zur Wahl antrat, schaffte aber in kürzester Zeit ein Arbeitsklima, in dem Parteipolitik keine Rolle spielt - und konnte so eine Reihe von Kompromissen schließen: Es gelang ihm nicht nur, den Haushalt der New Yorker Schulen unter Kontrolle zu bringen, sondern auch eine Einigung mit der einflussreichen Lehrergewerkschaft zu erzielen und mit dem New Yorker City Council ein Budget zu erstellen. Im Sommer machte Bloomberg Schlagzeilen - er forderte ein totales Rauchverbot in allen Gaststätten der Stadt, einschließlich Bars.

Bloomberg wurde am 14. Februar 1942 in einem kleinen Vorort von Boston als Sohn eines Buchhalters geboren, absolvierte die Eliteuniversitäten Johns Hopkins und Harvard und begann seine Wall-Street-Karriere bei Salomon Brothers, wo er 1981 mit einem "goldenen Handschlag" verabschiedet wurde. Mit den zehn Millionen Dollar gründete er seine eigene Firma, die zu einem Imperium mit 8000 Angestellten gewachsen ist.

Mit der Planung dessen, was anstelle des World Trade Centers auf Ground Zero stehen sollte, will Bloomberg warten, bis der Jahrestag vorbei ist. "Die Juden machen das richtig", erklärte er kürzlich, "sie enthüllen ein Jahr nach dem Begräbnis einen Stein. Das ist dann die Zeit, wo man den Trauerprozess beenden und damit beginnen sollte, nach vorne zu gehen." (DERSTANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

  • Bloomberg lässt sich mit der Planung für die Zukunft von Ground Zero Zeit
    foto: standard/nyt/

    Bloomberg lässt sich mit der Planung für die Zukunft von Ground Zero Zeit

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