Opposition mokiert sich über Haupt

12. September 2002, 11:10
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SPÖ spricht von "fabelhafter Kandidatur" - Grüne befürchten "Etikettenschwindel" - ÖVP überrascht

Wien - Die Opposition mokierte sich Mittwochabend über die Kür von Sozialminister Herbert Haupt zum Spitzenkandidaten der FPÖ für die bevorstehende Nationalratswahl. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures sprach von "einer fabelhaften Kandidatur" und erinnerte daran, dass Haupt "die falsche Magistra Ute Fabel und den ehemaligen freiheitlichen Sozialsprecher und 'Möchtegern-PVA-Spesenritter' Gaugg zu verantworten hat". Die stellvertretende Grünen-Chefin Eva Glawischnig sprach gegenüber der APA von einem "Etikettenschwindel", mit dem die "volle Machtübernahme von Haider und seiner Knittelfelder Putschistenpartei verdeckt werden soll".

Sowohl Bures als auch Glawischnig warfen dem Neo-FPÖ-Chef Jörg Haider "Feigheit" vor. Haider habe nach dem Scheitern der blau-schwarzen Wenderegierung offensichtlich nicht den Mut dazu aufbringen können, sich in einer Wahlauseinandersetzung selbst der Bevölkerung als Spitzenkandidat zu stellen, sagte Bures. Für Glawischnig flüchtet sich Haider aus der Verantwortung, "zehn Prozent Minus werden dann der Schachfigur Haupt umgehängt". Haider sei zu feige, "die Verantwortung für das Desaster bei der Wahl zu übernehmen".

Opposition übt massive Kritik an Haupt

Auch in der Kritik an der Person Haupts ist sich die Opposition einig. "Alles, was von diesem Sozialminister und nunmehrigem FPÖ-Spitzenkandidaten in Erinnerung bleibt, ist ein desaströser Kurs der sozialen Ungerechtigkeiten, Postenschacher und missglückte gesetzliche Regelungen", betonte Bures. Haupt habe neben der Groteske um den ehemaligen Hauptverbands-Präsidenten Hans Sallmutter die Verantwortung dafür zu tragen, dass nach der Installierung von blauen und schwarzen Funktionären in den Spitzengremien des Hauptverbands die Kosten um 50 Prozent gestiegen seien und die Krankenkassen in finanzielle Nöte getrieben würden.

Für Glawischnig ist Haupt "eher ein Symbol für das letzte Aufgebot". Als Minister habe Haupt einiges an parteipolitischen Interventionen zu verantworten - "die gesamte Causa Gaugg inklusive der Privilegienvorwürfe gegenüber der FPÖ". Auch im Sozialbereich habe Haupt keine Reformen durchgesetzt. Die Entscheidung für Haupt zeige insgesamt die Ratlosigkeit, die derzeit in der FPÖ herrsche.

Für ÖVP kam die Nominierung "eher unerwartet"

Die Bestellung von Sozialminister Herbert Haupt zum FPÖ-Spitzenkandidaten für die kommende Nationalratswahl kommt für die ÖVP "eher unerwartet". Die Rückkehr des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider an die Parteispitze ist für VP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat indes keine große Überraschung. "Das war zu erwarten", sagte sie am Mittwoch gegenüber der APA. Über die FPÖ-Mannschaft will man sich aber anscheinend nicht den Kopf zerbrechen. "Wir haben das zur Kenntnis zu nehmen", so Rauch-Kallat.

Die FPÖ sei wie alle anderen Parteien ein politischer Mitbewerber im kommenden Wahlkampf. Mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) habe man den "besten Spitzenkandidaten", zeigt sich die Generalsekretärin gerüstet für ein Wahlkampfmatch.

Auf mögliche Koalitionsspekulationen wollte sich Rauch-Kallat erneut nicht einlassen. Darüber mache man sich momentan keine Gedanken. Die personellen Änderungen in der FPÖ hätten jedenfalls "absolut nichts" an der Ausgangslage geändert.(APA)

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    SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures freut sich über die Nominierung von Herbert Haupt als FP-Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl

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