Brand in französischer Giftmülldeponie nicht zu löschen

11. September 2002, 18:15
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Feuerwehr will unterirdisches Lager abschließen

Colmar/Wittelsheim - Auch mehr als 30 Stunden nach Ausbruch eines Brandes in einer unterirdischen Giftmülldeponie im Elsass war am Mittwochabend kein Ende des Feuers in Sicht. Wie der zuständige Präfekt Paul Masseron mitteilte, wollten die Einsatzkräfte das Lager in einer stillgelegten Kalimine nun verschließen. Der Schwelbrand sollte so erstickt werden.

Für die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden und die Umwelt bestand den Angaben zufolge keine Gefahr. Die Grünen im Elsass forderten die sofortige Schließung der Deponie.

Das Feuer in der ehemaligen Kalimine bei Mülhausen, wo rund 36.000 Tonnen hochtoxische Industrieabfälle gelagert sind, war am Dienstagmorgen ausgebrochen. Nach neuesten Angaben der Präfektur breiteten sich die Flammen in etwa 535 Meter Tiefe über 1.700 Quadratmeter aus und erfassten rund 1.800 Tonnen Giftabfälle. Über deren genaue Zusammensetzung wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Die Bevölkerung im Elsass wurde erst mehrere Stunden nach Brandausbruch informiert, die Behörden im benachbarten Baden-Württemberg überhaupt nicht. "Wir erfuhren erst durch die Presse von dem Brand", sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg. Zwar sei 1992 eine grenzüberschreitende Benachrichtigung bei Vorfällen vereinbart worden, die auch die Nachbarregionen berühren können. Der Brand in der 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfernten Deponie sei von den Franzosen aber als "lokales Ereignis" bewertet worden.

Der Präfektur zufolge ist die Brandursache noch unbekannt. Möglicherweise hätten sich Plastiksäcke entzündet, in denen der Giftmüll eingelagert sei. Die Säcke seien auf Holzpaletten gelagert, die ebenfalls in Brand geraten seien. Wegen des Vorfalls wurden fünf Schulen evakuiert. Ab ihnen sollte aber am Donnerstag der Unterricht wieder beginnen.

In dem 1998 eingerichteten Lager werden in ehemaligen Streben einer Kalisalz-Mine hochgiftige Abfälle gelagert, unter anderem Aschen aus industriellen Verbrennungsanlagen oder asbesthaltige Materialien, die nicht anders entsorgt werden können. Insgesamt soll das einzige französische Lager dieser Art bis zu 320.000 Tonnen Rückstände aufnehmen, die unter anderem Quecksilber, Arsen, Zyankali und Asbest enthalten.

Die elsässischen Grünen und Umweltschutzorganisation auf beiden Seiten des Rheins forderten eine Untersuchung durch unabhängige Experten sowie die Schließung der Anlage. Es müsse geklärt werden, welche Abfälle in Brand gerieten und ob es zu einer Verseuchung von Luft, Grundwasser oder Boden gekommen sei. (APA)

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