Herbert Scheibner - Interims-Parteichef bleibt Parteivize

11. September 2002, 18:14
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Undurchsichtige Rolle bei Rücktritt von Riess-Passer

Wien - Herbert Scheibner (39) bleibt im Spitzenteam der FPÖ-Bundespartei. Er soll einer der vier Stellvertreter des neuen alten Parteichefs Jörg Haider werden. Seine Rolle beim Rücktritt von Susanne Riess-Passer ist undurchsichtig und hat ihm parteiintern den Spitznamen "Brutus" eingebracht.

Scheibner war seit 1. Mai 2000 einer der drei Stellvertreter von Riess-Passer. Bis zuletzt galt er als loyal gegenüber der Parteichefin. Beim Delegiertentreffen in Knittelfeld hat er jedoch - so Beobachter - die Fronten gewechselt. Nach dem Rücktritt von Riess-Passer wurde er Interims-Parteichef, der die Partei bis zum Parteitag am 21. September in Oberwart führen soll.

In der Vergangenheit hatte er als zweiter Mann des freiheitlichen Regierungsteams hinter Riess-Passer stets versucht, sich aus internen Konflikten herauszuhalten. In den letzten Tagen ist das Scheibner nicht mehr gelungen.

Als Verteidigungsminister ist Scheibner, der auch zuständig für die Kooperation mit dem Regierungspartner ÖVP war, im Februar 2000 angetreten, um die von ihm zuvor als Wehrsprecher seiner Partei immer wieder verlangte Aufstockung des Heeresbudgets durchzusetzen. Gelungen ist ihm dies nicht, immer wieder geriet er deshalb auch in Konflikt mit seinem Parteifreund Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Auch mit seinem umstrittenen Projekt der Anschaffung der neuen Abfangjäger ist Scheibner - zumindest vorerst - gescheitert.

Herbert Scheibner wurde am 23. April 1963 in Wien geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre, 1993 leistete er seinen Präsenzdienst ab. Seinen beruflichen Werdegang begann Scheibner 1987 als freiberuflicher Versicherungsmakler.

Bereits 1983 war er zur FPÖ gestoßen, 1988 bis 1989 war er Schulungsreferent und Büroleiter im Generalsekretariat der Partei, 1992 bis 1995 Generalsekretär, 1994 bis 1999 Geschäftsführer der FP-Akademie. 1990 zog Scheibner für die FPÖ in den Nationalrat ein, sein Schwerpunktthema war bereits im Hohen Haus die Verteidigungspolitik. Im April 1999 wurde er Klubobmann, als Nachfolger des Duos Jörg Haider und Ewald Stadler, der geschäftsführender Klubchef war.(APA)

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