Geheime Abschussliste der FPÖ

12. September 2002, 11:09
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Chaos in der FP-Parlamentsfraktion: Dem STANDARD liegt eine "Geheimliste" über Abgeordnete vor, denen der Rausschmiss droht

Wien - Die Parteikrise der FPÖ, die an "der Basis" ihren Ausgang nahm, hat mittlerweile auch den Parlamentsklub der Freiheitlichen erreicht. Dort kursiert seit einigen Tagen ein - dem STANDARD vorliegendes - Geheimpapier, in dem penibel aufgelistet wird, wer aus dem Klub ausscheiden oder gar rausgeschmissen wird.

In der angeführten Rubrik jener Abgeordneten, die zwar noch einmal kandidieren wollen, aber - so zumindest das interne Papier - von den Landesparteien nicht mehr aufgestellt werden - finden sich Abgeordnete wie die Gesundheitssprecherin Beate Hartinger, Helene Partik- Pablé, der Niederösterreicher Hans Müller oder die Steirerin Theresia Zierler.

"Sicher nicht mehr" kandidieren werden laut Geheimliste etwa der Salzburger Hermann Böhacker, Verkehrssprecher Reinhard Firlinger, Harald Ofner, Patrick Ortlieb und Thomas Prinzhorn, der dies dem STANDARD auch bestätigt. Der Zweite Nationalratspräsident werde "nicht mehr kandidieren", sagt Prinzhorn- Sprecher Martin Standl. Das habe "aber nichts mit den jüngsten Vorkommnissen in der Partei zu tun". Prinzhorn habe diese Entscheidung schon vor einem halben Jahr getroffen.

Gesundheitssprecherin Beate Hartinger zeigt sich hingegen "völlig überrascht" über die interne Auflistung: "Davon weiß ich wirklich nichts. Ich habe mich gestern noch mit meinem Wahlkreis getroffen. Ich geb' sicher nicht so schnell auf."

Aufgeben will hingegen tatsächlich FP-Verkehrssprecher Firlinger. Und er kündigt gleich einen wahren Exodus prominenter FP-Abgeordneter an. Firlinger zum STANDARD: "Es stimmt. Ich bin nicht mehr dabei. Ich gehe zurück in die Privatwirtschaft. Ich wollte zwar wieder kandidieren, aber nachdem, was vorgefallen ist, geh' ich. Ich weiß, dass eine ganze Reihe bekannter Mandatare ebenfalls ausscheiden wird. Es wird einen ganz anderen Klub nach der Wahl geben." Die Altabgeordneten Harald Ofner oder Partik- Pablé etwa würden seiner Entscheidung folgen. Beide waren am Mittwoch nicht erreichbar.

Firlinger unterlegt seinen bevorstehenden Abgang mit harter Kritik an den "Putschisten", wie er sie nennt. Firlinger: "Ich habe für diesen Umsturz überhaupt kein Verständnis. Wir waren in der Regierung eigentlich gut unterwegs. Aber wir hatten dauernd mit irgendwelchen Troubles von außen zu tun. Und allmählich ist die Sache immer mehr eskaliert."(Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

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