"Under cover": Massenrücktritt schwedischer Politiker nach rassistischen Sprüchen

12. September 2002, 21:58
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TV-Team filmte kurz vor Wahl heimlich xenophobe Äußerungen

Wenige Tage vor den Wahlen haben in Schweden zahlreiche Politiker nach Enthüllungen über fremdenfeindliche Äußerungen auf ihre Kandidatur verzichtet. Mindestens fünf konservative und ein sozialdemokratischer Kandidat warfen am Donnerstag das Handtuch, nachdem das schwedische Fernsehen heimlich gefilmte diskriminierende Sprüche von ihnen veröffentlicht hatte.

So sagte ein junger Provinzabgeordneter über die in seinem Wahlkreis lebenden Chilenen, bei ihnen handle es sich um "jene, um die sich (Ex-Diktator Augusto) Pinochet nicht mehr kümmern konnte". Der konservative Bürgermeister der Stadt Solna bei Stockholm, Ulf Björkman, verzichtete auf eine Kandidatur, nachdem er Schwarze mit Affen gleich gesetzt hatte: Der Unterschied zwischen beiden sei, "dass der Affe Bananen mit dem Fuß greift". Der Sozialdemokrat Ingvar Hulting bezeichnete Moslems als "Bedrohung".

Heimlich mitgeschnitten

Ein Team des öffentlichen schwedischen TV-Senders SVT hatte im August in den Wahlkampfzentralen der wichtigsten Parteien heimlich Äußerungen von Kandidaten für die Parlaments-, Regional- und Kommunalwahlen am kommenden Sonntag mitgeschnitten. Nach den Worten des Journalisten Janne Josefsson äußerten sich alle 17 belauschten konservativen Kandidaten rassistisch oder diskriminierend. Die Konservativen strengten gegen Joseffson beim schwedischen Medienkontrollorgan eine Klage wegen "Parteilichkeit" an.

Der sozialdemokratische Regierungschef Göran Persson und der Parteichef der Konservativen, Bo Lundgren, verurteilten die Äußerungen ihrer Parteimitglieder und forderten sie auf, auf eine Kandidatur zu verzichten. Die Ausländer- und Einwanderungspolitik ist im schwedischen Wahlkampf ein wichtiges Thema. So punktete die liberale Volkspartei zuletzt mit der Forderung nach Einführung eines Sprachtests vor der Einbürgerung von Ausländern. (APA)

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