Hekmatyar ruft einen neuen Djihad aus

11. September 2002, 16:58
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USA: Attentat gegen Präsident Karsai wurde von Taliban verübt

Kabul/Washington/Wien - Der 11. September 2002 war in Afghanistan von kleineren Vorfällen gekennzeichnet, unter anderem wurde die US-Miltärbasis Bagram - das Hauptquartier für die rund 8000 US- Soldaten in Afghanistan - rund 50 Kilometer nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul beschossen, gerade als die US-Flagge im Gedenken an die Terroranschläge des vergangenen Jahres auf Halbmast gesetzt wurde. In Khost wurde in der Nacht ein Camp der US- Armee mit Granaten belegt, auch in Gardez kam es zu kleineren Gefechten. In den Städten war die Angst vor Bombenanschlägen am Mittwoch besonders groß - bei einem Anschlag am Donnerstag waren in Kabul dreißig Menschen getötet worden.

Aus dem US-Verteidigungsministerium wurde am Dienstag die Gewissheit laut, dass der vereitelte Mordanschlag auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, ebenfalls vorigen Donnerstag, auf das Konto der Taliban ging. Taliban und Al-Qa'ida werden abwechselnd oder gemeinsam als Urheber der häufigen Gewaltakte gegen US-Armee und internationale Friedenstruppen (Isaf), afghanische Behörden und Zivilisten verantwortlich gemacht.

Beobachter sehen jedoch die Handschrift eines alten Bekannten der USA, der nun Al-Qa'ida- und Taliban-Reste um sich sammeln soll: Gulbuddin Hekmatyar, einst von den USA und Saudi-Arabien finanzierter Mudjahid gegen die Sowjets, soll seine HIA (Hezb-i Islami Afghanistan) reorganisiert haben und die Paschtunen zum Kampf gegen die "ausländische Besatzung" Afghanistans aufstacheln.

Neutralität

Asia Times meldet, dass Hekmatyar erneut seine Stützpunkte in ganz Afghanistan aufgebaut hat und soeben versucht, mit lokalen Führern Vereinbarungen abzuschließen, dass sie sich in seinem neuen Djihad gegen die Regierung von Präsident Hamid Karsai zumindest neutral verhalten.

Hekmatyar, dessen Bruch mit den USA und Saudi-Arabien 1990 datiert, als er Saddam Hussein nach dessen Einmarsch in Kuwait offen unterstützte, soll laut Asia Times Unterstützung in den üblichen Geheimdienstkreisen in Pakistan und in Iran - wo er bis vor wenigen Monaten im Exil war -, gefunden haben, bemüht sich aber auch um China.

Die Situation in Afghanistan bleibt also prekär, fast zehn Monate nach dem Sturz des Taliban-Regimes geben die USA noch immer eine Milliarde US-Dollar pro Monat für ihre Truppen in Afghanistan aus - während für zivile Zwecke bisher 290 Millionen aus den USA gekommen sind, was aber laut New York Times noch immer fast die Hälfte des von der internationalen Gemeinschaft an Afghanistan überwiesenen Wirtschaftshilfe ist.

Von den von Geberländern für dieses Jahr versprochenen 1,8 Milliarden US-Dollar - die helfen würden, die Institutionen zu stabilisieren und den Untergrund für Terrorismus und Drogenanbau auszutrocknen - ist man jedenfalls meilenweit entfernt. (DERSTANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

von Gudrun Harrer
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    Gulbuddin Hekmatyar

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