Prämien steigen deutlich

11. September 2002, 19:20
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Assekuranzen werden wählerischer: Nicht mehr alles wird versichert

Wien - Der Versicherungsbranche wurde sowohl durch die Terroranschläge, die Kursstürze an den internationalen Aktienmärkten und durch die Hochwasserschäden zuletzt arg zugesetzt. Die Gebäude-, Betriebsausfall-, Haftpflicht- und Personenschäden sowie die Kursverluste als Folge der Terroranschläge sollen der Versicherungswirtschaft die unvorstellbare Summe von 100 Mrd. Dollar (103 Mrd. Euro) gekostet haben.

Ernst Kiefhaber, Chef der Österreich-Tochter des international führenden Versicherungsbrokers Marsh, bekannte daher, dass derart unvorhersehbare Risken wie die Anschläge auf das World Trade Center, aber auch das Jahrhunderthochwasser die Risikopolitik der Versicherungen total geändert haben.

Prämienerhöhungen

So kommt es in der Industrie zu mehr und höheren Selbstbehalten und infolge einer gänzlich neuen Risikobewertung zu Prämienerhöhungen. Davon betroffen sind auch Privatpersonen, deren Versicherungsprämien in der Sachsparte zum Teil schon heuer, aber auch im nächsten Jahr deutlich steigen werden.

Preiskampf

Für die anstehenden Prämienverteuerungen der heimischen Versicherer gibt es aber auch ganz profane Gründe, die mit den Folgen des 11. September gar nichts zu tun haben: Seit der zweiten Hälfte der 90er-Jahre tobte ein Preiskampf in der Branche, der nur aufgrund der guten Vermögensverhältnisse der Gesellschaften durchgestanden werden konnte. Jetzt, wo die Versicherungen auch an den Börsen kein Geld verdienen, sondern zum Teil erhebliche Verluste einfahren, muss die Notbremse gezogen werden, was unweigerlich zu Prämienerhöhungen quer über alle Sparten führt.

Uniqa-Vorstand Karl Unger bestätigt auch, dass die Versicherungen in ihrer Zeichnungspolitik selektiver geworden sind und Risken, die am Versicherungsmarkt (bei den Rückversicherungen) nicht unter zubringen sind, einfach nicht mehr versichern oder nur mit erheblich hohen Aufschlägen, weil die eigenen Margen sehr gering sind. Als Beispiel nennt der Uniqa-Vorstand Sägewerke, Hochwasser oder hoch feuergefährdete Industrieanlagen.

Während Kiefhaber für Private mit Prämienerhöhungen infolge der geänderten Risikopolitik von 20 Prozent im kommenden Jahr rechnet, ist Unger moderater und erwartet nach der diesjährigen Anpassung auch ein Plus von fünf bis sieben Prozent im nächsten Jahr. Bei Industrie- und Gewerbe, wo es bereits heuer Erhöhungen um bis zu 200 Prozent gab, sieht Kiefhaber 2003 erneut eine Prämienschub. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 12.9.2002)

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