Rassistische Politiker-Aussagen vor versteckter Kamera

11. September 2002, 17:57
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TV-Team schockiert führende Parteien vor Reichstagswahl

Stockholm - Fünf Tage vor der schwedischen Reichstagswahl sorgen kompromittierende Fernsehberichte über rassistische Aussagen von Politikern führender Parteien für Diskussionen. Ein TV-Team besuchte "under cover" 30 Gemeinden im ganzen Land, um Gespräche mit Wahlhelfern aller Parteien zu führen. Es handelte sich um etablierte Gemeindepolitiker, die sich für die Wahlkampagne zur Verfügung stellten. Die Reporter gaben sich als potenzielle Wähler aus und äußerten rassistische Ansichten.

Jedes Gespräch wurde mit einer versteckten Kamera aufgenommen. Von 54 Wahlhelfern in 30 Gemeinden nahmen nur zwei Abstand von den Äußerungen, die Übrigen stiegen darauf ein oder kommentierten sie nicht. Peinlich waren die Aufnahmen vor allem für die Moderate Sammlungspartei. Einer ihrer Politiker in Köping sagte, Ausländer seien Personen, die der chilenische Diktator Pinochet "nicht mehr geschafft hätte".

Ein anderer Politiker meinte, dass "Schwarze nur Kinder produzieren" und von der schwedischen Fürsorge lebten. "Was ist der Unterschied zwischen einen Schwarzen und einem Affen, wenn du ihnen eine Banane hinreichst? Der Affe greift nach der Banane mit dem Fuß."

Einige Stunden später meldete sich das TV-Team offiziell an und interviewte die besagten Politiker. Wie erwartet nahmen sie vor laufender Kamera Abstand von jeglichen einwanderfeindlichen Gedanken. Der Dokumentarfilm führte am Mittwoch zum Rücktritt von drei der entlarvten Politiker, einem Sozialdemokraten und zwei Konservativen. (APA)

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