Nachfrageschock: Schäden nicht zu beziffern

11. September 2002, 17:30
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Institut der Deutschen Wirtschaft: "Mehr Sicherheit hat ihren Preis"

Köln/Berlin - Die Weltwirtschaft ist von der Terrorserie vor einem Jahr in den USA erheblich beeinträchtigt worden, auch wenn die ökonomischen Folgen nicht exakt zu beziffern sind. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erklärte am Mittwoch in Berlin, der Charakter der Anschläge habe das ohnehin fragile Verbrauchervertrauen in den USA und in Europa geschwächt und zu einem Nachfrageschock geführt.

"Für Fluggesellschaften, Versicherungen und den internationalen Handel sind die ökonomischen Folgen der Terroranschläge vom 11. September am höchsten", so die Wirtschaftsforscher. So hätten die Anschläge wahrscheinlich den größten Einzelschaden in der Versicherungsgeschichte verursacht.

Erhöhung der Sicherheitsausgaben

Unmittelbar nach den Anschlägen habe es "massive zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen im privaten und öffentlichen Sektor" gegeben. Auf einer internationalen Konferenz beim DIW im Juni dieses Jahres sei auch eine Berechnung für die USA vorgestellt worden, wonach die Erhöhung der Sicherheitsausgaben der privaten US-Wirtschaft unter anderem eine Senkung der Arbeitsproduktivität um 1,12 Prozent bewirkt habe. "Dies entspräche, für sich genommen, einem Verlust an amerikanischem Bruttosozialprodukt von rund 70 Mrd. US-Dollar (71,8 Mrd. Euro) pro Jahr."

Es sei zu erwarten, dass in Folge des neuen, globalen Terrorismus die Sicherheit einen zunehmenden Stellenwert erhalten werde. Dies führe wiederum zu höheren Transaktionskosten, die insbesondere den internationalen Handel belasteten. Nach einer Simulationsrechnung entstünden - bei einer durchschnittlichen Erhöhung der Transaktionskosten von einem Prozentpunkt des gehandelten Warenwertes - die höchsten Wohlfahrtsverluste in Westeuropa, Nordamerika und Nordasien. "Insgesamt ergibt sich eine Verringerung des Weltbruttosozialprodukts um rund 75 Mrd. Dollar, das sind 0,24 Prozent des Weltsozialprodukts für das Jahr 2001."

Talfahrt umso rasanter

Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln erklärte, die Weltwirtschaft habe sich zum Zeitpunkt der Anschläge ohnehin auf dem absteigenden Ast befunden. "Danach setzte sie ihre Talfahrt umso rasanter fort." Das Vertrauen von Anlegern und Geschäftsleuten sei mit einem Schlag zerstört worden. "Es schloss sich jedoch eine Entwicklung an, die dem Bild vergangener Krisen entsprach: eine rasche Erholung der Stimmung - auch in den USA."

Wie viel an Wirtschaftswachstum der Terror und der folgende Krieg in Afghanistan tatsächlich gekostet habe, könnten Ökonomen indes kaum sagen, weil andere Einflüsse sich nicht klar abgrenzen ließen. Für die USA gebe es aber immerhin einen Richtwert: "Konjunkturexperten schätzen die Wachstumsverluste in den USA auf etwa 500 Mrd. Dollar bis Ende 2003 - das entspricht 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes", so das Institut. Und auch auf längere Sicht beeinträchtigten die Anschläge das Wachstum. "Denn mehr Sicherheit gegen den Terror hat ihren Preis."

Die OECD habe ermittelt, dass verschärfte Grenzkontrollen und Sicherheitsstandards die Kosten für See- und Luftfracht um ein bis drei Prozent steigen lassen. Das habe deutliche Folgen für den Welthandel: "In der Regel drückt ein Plus von einem Prozent bei den Transportkosten das Volumen des internationalen Handels um ein bis drei Prozent."(APA/AP)

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