"Besser als in der letzten Saison"

7. Oktober 2002, 13:54
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Ein Urteil das Capitals-Trainer Kurt Harand nun vielleicht revidieren muss - derStandard.at traf sich vor Beginn der Saison mit Trainer Harand und Präsident Hammer

Wien - Seit Freitag wird in Wien wieder der Puck gejagt, die Vienna Capitals starteten mit zwei Heimniederlagen in die Saison 2002/2003. derStandard.at traf sich vor dem Startschuß mit Trainer Kurt Harand und Präsident Günther Hammer zum Gespräch.

derStandard.at: In den Vorbereitungsspielen haben die Vienna Capitals einige Spiele verloren. Ist der Trainer beunruhigt?

Kurt Harand: "Nein, wir können in der Vorbereitung keine Rücksicht auf Ergebnisse nehmen. Wir haben am 19. August mit dem Training begonnen und die Vorbereitung war hart, bestimmt härter als im Vorjahr. Natürlich wäre es angenehm - auch für die Fans - den einen oder anderen Sieg zu feiern, aber die Gegner waren sehr stark und nicht dazu geeignet mit ein paar lockeren Erfolgen das Selbstvertrauen zu stärken. Zudem fiel mit Sean Berens aufgrund einer Adduktorenverletzung einer unserer wichtigsten Spieler aus."

derStandard.at: Wie hat sich die Leistungsstärke der Capitals über den Sommer entwickelt? Manfred Mühr hatte nach seinem Abschiedsspiel behauptet, die Mannschaft sei besser als im Vorjahr.

Kurt Harand: "Ich denke auch, dass wir stärker als zuletzt sind. Vor allem sollten wir dank den Neuzugängen Berens und Kesa in der Lage sein unser Manko in der Offensive zu beheben. Aber man sollte nicht vergessen, dass auch die Konkurrenz über den Sommer nicht geschlafen hat. Aufsteiger Feldkirch ist ein ernst zu nehmender Gegner, auch Innsbruck präsentiert sich verbessert. Die Meisterschaft ist ausgeglichen wie selten zuvor, nur die Graz 99ers und den EHC Lustenau müssen wir auf jeden Fall hinter uns lassen."

derStandard.at: Was sind angesichts dieser neuen Kräfteverhältnisse die Ziele für die kommende Saison? Die Latte liegt mit dem Semifinale aus dem Vorjahr doch relativ hoch, die Fans erwarten sich womöglich eine Steigerung.

Kurt Harand: "Eine Steigerung würde bedeuten das Finale zu erreichen oder gar Meister zu werden. Wir alle wollen Meister werden - die Fans, der Trainer, die Spieler. Aber solche Ziele kosten viel Geld, Geld das nicht vorhanden ist. Wir wollen das Semifinale erreichen, aber vor allem Kontinuität bewahren und mit unseren Investitionen niemals die Existenz des Vereins gefährden."

Günter Hammer: "Wir können den Zuschauern nicht jedes Jahr eine Spitzenplatzierung in der Meisterschaft garantieren. Wir wollen ihnen aber immer unseren vollen Einsatz und ein ordentliches Gesamtpaket bieten. Deswegen investieren wir unsere Ressourcen auch nicht automatisch in sportliche Verstärkungen. Es soll ebenso das Umfeld, das Erscheinungsbild verbessert werden. Dabei kann es sich um ein neues Outfit, ein verbessertes Service im Stadion oder ähnliches handeln."

derStandard.at: Dieses Jahr steigen von acht Mannschaften im Grunddurchgang ebensoviele in das Viertelfinale der Play-Offs auf. Leiden die Motivation und der sportliche Wert der Liga nicht unter diesem Umstand?

Kurt Harand: "Auf keinen Fall, der Kampf um die Plätze ist enorm wichtig. Es gilt sich eine möglichst günstige Ausgangsposition für die Play-Offs zu verschaffen, dabei geht es vor allem um das Heimrecht."

derStandard.at: Kommen wir auf die Gründung des Vereins vor einem Jahr zurück. War es eine Art 'Lebensaufgabe' den Eishockeysport auf höchstem Niveau nach Wien zurückzubringen?

Kurt Harand: "Ich war 20 Jahre in der Liga tätig, davon 18 Jahre in Wien. Ich habe als Spieler und Trainer bewiesen, dass Eishockey in Wien ein großes Publikum anziehen kann. Es war für mich unmöglich zu verstehen, dass es in dieser Stadt keinen Verein in der höchten Liga geben soll und eine Verpflichtung diesen Zustand zu ändern."

derStandard.at: Wie schwer war es die Marke 'Vienna Capitals' einzuführen?

Günter Hammer: Wir waren uns der Wiener Eishockeygeschichte bewusst, wollten aber auf keinen Fall auf das Kürzel mit den drei Buchstaben (Anm.: WEV) zurückkommen. Deswegen haben wir mit erheblichem Aufwand die Marke 'Capitals' beworben. Durch Zuschauereinnahmen, Sponsoren und Merchandise-Produkte kommt es jetzt allmählich wieder zum Rücklauf der Investitionen. Es gibt mehrere Fanklubs, in diesem Jahr haben wir die Anzahl der verkauften Saison-Abonnements auf über 1000 verdoppeln können. Die Resonanz durch Zuschauer und Medien hat unsere Erwartungen alles in allem übertroffen."

derStandard.at: Sie fühlen sich also von den Medien nicht vernachlässigt?"

Günter Hammer: "Nein keineswegs, nur der ORF scheint die Bedeutung des Eishockeysports noch nicht ganz erkannt zu haben."

derStandard.at: Man hört öfters von einem Spannungsverhältnis zwischen Fußball und Eishockey, sowohl Fans als auch Sponsoren betreffend. Spürt man dieses Phänomen auch in Wien?

Günter Hammer: "Dieses Spannungsverhältnis besteht nicht zwischen Eishockey und Fußball, sondern zwischen Eishockey und Sport im Allgemeinen. Auch wenn das schlechte Abschneiden von Rapid in der letzten Saison bestimmt kein Nachteil für uns war. Wien bietet bestimmt ein größeres Potenzial an Sponsoren als andere Städte in Österreich, aber auch mehr Möglichkeiten dieses Potenzial zu verteilen. Auch das Publikum kann aus einer Vielzahl an Events wählen: Von Fußball über Volleyball bishin zu Pferderennen. Die Konkurrenz ist sehr groß."

derStandard.at: Apropos Pferderennen. Es war zu lesen, dass bei Frank Stronachs Stadionprojekt für die Wiener Austria auch die Vienna Capitals eine Rolle spielen könnten. Ein Gerücht oder doch mehr?

Günter Hammer: "Herr Stronach findet die Vienna Capitals sympathisch. Konkrete Pläne gibt es allerdings nicht."

derStandard.at: Herr Hammer, Herr Harand, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Zu Besuch bei den Vienna Capitals war Philip Bauer.

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