"Schmutzwäsche waschen hilft niemandem"

11. September 2002, 17:49
14 Postings

Eine launige Noch-Vizekanzlerin zieht den Management-Club dem FPÖ-Vorstand vor - Will weder Partei gründen noch für ÖVP arbeiten

Die ersten Lacher kamen schon bei der Begrüßung. "Schön, dass Sie in den Management-Club kommen, obwohl andere Veranstaltungen auf Sie warten", spielte der Moderator auf den zeitgleichen FPÖ-Parteivorstand an. Nein, nichts warte, konterte Susanne Riess-Passer grinsend. Und erntete wohlwollende Lacher.

Mit demonstrativ gelöstem Auftreten hatte die Noch-Vizekanzlerin Mittwochmittag die Manager bald für sich gewonnen. Wobei das eigentliche Thema, "Ihre Bilanz bitte", Verwaltungsreform und Co, weit weniger interessierte als eine Bilanz der FPÖ-Interna und feine Seitenhiebe auf Jörg Haider. "Ich bin ja nicht schon weg und wieder da und weg und wieder da", wies Riess-Passer etwa Fragen nach dem Rücktritt vom Rücktritt von sich. Lacher. Oder quittierte Fragen nach der Zukunft der FPÖ schmunzelnd mit: "Ich bin jetzt einfaches Parteimitglied." Lacher. Um dann doch so viel zu sagen: "Das ist jetzt eine Situation, wo diejenigen, die einen anderen Weg gehen wollten als ich, sich auch der Verantwortung stellen müssen." Lacher.

Aber auch die großen Lacherfolge verführten Riess- Passer nicht dazu, mit Haider abzurechnen: "Schmutzwäsche waschen hilft niemandem. Ich mache mein Seelen 2. Spalte leben zu keiner öffentlichen Angelegenheit. Es gibt Partnerschaften, die funktionieren eine Zeit lang und dann nicht mehr. Vergangenheitsbewältigung macht keinen Sinn."

Da konnten die Manager noch so gefinkelt fragen, eine gruppendynamische Vernichtungsbilanz war Riess-Passer nicht zu entlocken. Im Gegenteil, auf geknurrte Zwischenrufe wie "die Partei der Anständigen" und auf Lockfragen nach politischer Zukunft anderswo schwang sich das neue einfache Parteimitglied zu einer Verteidigung der FPÖ auf: "Knittelfeld ist nicht die FPÖ. Es gibt in der Partei so viele anständige Funktionäre."

Keine neue Partei

Und denen werde mit Ausdrücken wie "rechte Rülpser" Unrecht getan: "Ich würde solche Ausdrücke für niemand in meiner Partei gelten lassen. Die FPÖ hat Probleme mit der Vergangenheit wie andere Parteien auch, manche in der FPÖ haben Dinge gesagt, die besser unterblieben wären, aber wir haben die Restitution gemacht. Und ich kann Ihnen von Politikern anderer Couleurs genauso unerträgliche Aussagen nennen."

Nicht nur deshalb, auch weil sie die FPÖ als die Alternative zur "Fesselung des Zweiparteiensystems" sehe, werde sie weder eine neue (liberale) Partei gründen, noch für die ÖVP tätig werden: "Man muss als Politiker zur Kenntnis nehmen, wenn ein Weg zu Ende ist." Ob es einem passt oder nicht. Ganz passt es Riess-Passer nicht. Die Abschaffung der Pragmatisierung, die hätte sie gern zu Ende gebracht. Dummerweise fehlt dafür jetzt die Zeit. Obwohl - ganz zu Ende ist der Weg noch nicht. Rücktritt hin oder her, vorerst bleibt Riess- Passer Vizekanzlerin, und das scheint ihr selbst kurios: "Ich komme mir vor wie eine Ahnfrau, die durch die Gänge huscht." So im Vorbeihuschen werde sie keine Reformen mehr starten. Aber auf dem langen Abschiedsweg noch mit ihren Lieblingsfeinden, den Beamten, die Gehaltsverhandlungen beginnen: "O ja, das möchte ich nicht missen." Und wieder Lacher.(Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.