Die drei Großen in der Endrunde

11. September 2002, 13:50
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Mit unverbindlichen Geboten von mehr als zwei Milliarden Euro für KirchMedia

Im Bieterwettstreit um die Übernahme der insolventen KirchMedia sind noch drei Konsortien im Rennen. Alle drei sollen sich mit unverbindlichen Geboten von mehr als zwei Milliarden Euro gegen andere Bewerber durchgesetzt haben. Bis zu diesem Donnerstag (12. September) können sie ihre endgültigen Angebote für das Kerngeschäft der Kirch-Gruppe mit den Sendern ProSieben und Sat.1 abgeben. Dann endet offiziell die Frist. Möglicherweise werden sich die Konsortien in letzter Sekunde noch einmal neu mischen. Bisher setzten sie sich wie folgt zusammen:

Commerzbank und Columbia

Im Gegensatz zu anderen deutschen Interessenten für die KirchMedia hat die Commerzbank den Sprung in die Endrunde geschafft. Der Kirch-Gläubiger soll angeblich zusammen mit dem US-Filmstudio Columbia 2,3 Millarden Euro für das einstige Kerngeschäft der KirchGruppe angeboten haben. Die Commerzbank will dadurch nach Einschätzung aus Finanzkreisen ihre Position im Gläubigerkreis ausbauen. Mit Columbia holte sich die Bank einen erfahrenen Medienpartner ins Boot. Ursprünglich sollte auch die Essener Mediengruppe WAZ dabei sein. Die WAZ-Geschäftsführung sprach sich aber Mitte Juni nach einer Prüfung der wirtschaftlichen Daten bei KirchMedia einstimmig gegen eine Beteiligung aus. Um die Chancen in dem Poker um die KirchMedia zu verbessern, könnte das Duo Commerzbank und Columbia nach Einschätzung aus Branchenkreisen versuchen, in letzter Minute weitere deutsche Partner an Bord zu holen.

Die Altgesellschafter

Das Bieterkonsortium um die Investmentbank Lehman Brothers kennt sich im Hause Kirch schon gut aus. Anders als die anderen Mitstreiter im Bieterwettbewerb um die KirchMedia waren die Mitglieder des Konsortiums schon vor der Pleite Gesellschafter beim einstigen Herzstück der KirchGruppe. Der Rewe-Konzern war mit 5,7 Prozent an der KirchMedia beteiligt, Lehmann Brothers und die Gesellschaft Kingdom Holdings des saudiarabischen Prinzen Al Walid mit je 2,5 Prozent. Gemeinsam sollen die Altgesellschafter 2,5 Milliarden Euro für die KirchMedia geboten haben. Durch die Übernahme der KirchMedia wollen sie nach Einschätzung von Branchenkennern vor allem Schadensbegrenzung betreiben, um möglichst viel von ihrem Investment eines Tages wieder zu sehen. Vom Mediengeschäft haben sie allerdings wenig Ahnung. Um die KirchMedia zu sanieren und für einen späteren Weiterverkauf herauszuputzen, wären sie auf einen erfahrenen Medienmanager an der Spitze des Konzerns angewiesen.

Haim Saban und TF1

Der US-Medienunternehmer Haim Saban ist der große Unbekannte im Bieter-Wettbewerb um die insolvente KirchMedia. Zusammen mit dem französischen Medienkonzern TF1 soll er mit 2,6 Milliarden Euro das höchste Angebot gemacht haben. Beim Kauf der KirchMedia würde Saban auf einen Schlag eine Schlüsselrolle in der deutschen Medienbranche übernehmen. Der US-Medienunternehmer hat als Produzent von Kinderserien ein Vermögen gemacht. Er ist unter anderem der Schöpfer der populären US-Version der "Mighty Morphin Power Rangers", die in Filmen und einer Kinder-TV-Serie enorme Erfolge haben. Das "Handelsblatt" bezeichnete Saban einmal als den "König Midas der Medienwelt". Im vergangenen Jahr gelang dem Israel-Amerikaner der große Coup. Für insgesamt 5,3 Milliarden Dollar verkauften er und Partner News Corp ihr Gemeinschaftsunternehmen Fox Family Worldwide Inc. an den Disney-Konzern. (APA/dpa)

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