Luftfahrtbranche um Normalität bemüht

11. September 2002, 19:34
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Zahlreiche Geschäftsreisen verschoben - Flugstreichungen und Gratisflug-Angebote - Für die AUA-Gruppe "business as usual"

Wien - Wenige Fluggäste wurden am 11. September die Gedanken an die Ereignisse vor einem Jahr aus ihrem Gedächtnis streichen können. Dabei bemühen sich zahlreiche Fluggesellschaften, den Tag so gewöhnlich wie möglich ablaufen zu lassen: "Wir haben unsere Routen nach Washington und New York so wie immer bedient", sagte AUA-Sprecher Johann Jurceka. Die Austrian Airlines-Gruppe flog planmäßig nach Nordamerika, tägliche Flüge gehen nach New York und Washington. Die Sicherheitsvorkehrungen seien an diesem Tag "so scharf wie immer".

Die gesamte Austrian Airlines-Gruppe aus AUA, Lauda Air, Tyrolean Airways und Rheintalflug hat am Mittwoch planmäßig rund 400 Flüge durchführen und dabei rund 19.000 Fluggäste weltweit befördert. Die Langstreckenbuchungen liegen insgesamt 10 Prozent unter dem Stand vom 11. September 2001, bei der Mittel- und Kurzstrecke gibt es drei Prozent weniger Fluggäste. Diese Rückgänge sind zum Teil aber auch auf die Konjunkturschwäche und die zurückgefahrenen Kapazitäten zurückzuführen. Wie viele Menschen am 11. September auf einen Flug verzichtet haben, darüber gibt es keine konkreten Zahlen.

Schwarze Armbinden

Am 11. September vor genau einem Jahr wurden erstmals entführte Passagiermaschinen als Waffen eingesetzt. Kurz nach dem Einschlag zweier Flugzeuge in das World Trade Center (WTC) in New York stürzten die beiden Türme in sich zusammen. Insgesamt kamen bei den Anschlägen rund 3.000 Menschen ums Leben.

Anders als bei bei den unmittelbar betroffenen US-Fluggesellschafen wurde auf Flügen der AUA-Gruppe nicht ausdrücklich auf die Anschläge Bezug genommen. Amerikanische Fluggesellschaften haben ihre Piloten ersucht, in Durchsagen auf die Anschläge aufmerksam zu machen, die Crews trugen teils dunkle Armbinden. Zudem hat die US-Regierung den Luftverkehr wegen öffentlicher Gedenkfeiern teilweise eingeschränkt. In einem Radius von 55,5 Kilometer um die Anschlagsorte in New York, Washington und Pennsylvania waren Flüge unterhalb einer bestimmten Höhe untersagt. Privatflüge wurden verboten, ebenso touristische und Übungsflüge.

Weniger geschäftliche Aktivitäten

Auf Grund von Gedenkveranstaltungen gab es auch weniger geschäftliche Aktivitäten als normalerweise. Zahlreiche Geschäftstreffen wurden auf andere Termine geschoben.

Mehrere Luftgesellschaften, darunter die Lufthansa, British Airways und SAS, haben wegen der schwächeren Buchungslage Flüge gestrichen. Insgesamt drei Lufthansa-Maschinen von Frankfurt nach New York, Boston und Washington wurden mangels Auslastung aus dem Programm genommen, die Passagiere wurden auf andere Maschinen umgebucht. Die skandinavische SAS ließ am Mitwoch fünf ihrer täglich sieben US-Verbindungen USA aus dem Programm, British Airways verzichtete auf 26 von 80 Transatlantik-Flügen.

Preisaktionen

Manche Airlines versuchten befürchteten Kundenausfällen mit Preisaktionen zuvorzukommen: Die US-Fluggesellschaft National Airlines hat ihren Kunden an diesem Tag Flüge für den symbolischen Preis von einem Dollar (1,015 Euro) verkauft. Dies galt für alle Flugreisen in der Economy-Class, die am 11. September beginnen haben. Die US-Fluggesellschaft Spirit Airlines ließ ihre Kunden sogar zum Nulltarif fliegen.

Auch ein Jahr nach den Anschlägen fliegt die Branche noch ihren früheren Passagierzahlen hinterher. Harte Einschnitte bei Kosten und Kapazitäten sollen aus der Krise führen. Zugleich wächst die Konkurrenz der Billigflieger, die dank angepasster kleiner Kapazitäten, billigerer Vertriebs- und Einheitskosten sowie der Konzentration auf "Rosinen" von den Anschlägen sogar profitieren konnten.

10 Milliarden US-Dollar vernichtet

Die Krise hat mindestens 10 Mrd. US-Dollar (13,5 Mrd. Euro) vernichtet, schätzt der internationale Luftverkehrsverband IATA. Die Branche erholt sich wesentlich langsamer als von den Folgen des Golfkriegs Anfang der 1990er Jahre. Die Schweizer Swissair und die belgische Sabena brachen zusammen, weitere könnten folgen. Höhere Versicherungsprämien und schärfere Sicherheitsvorkehrungen belasten die Kassen, für Passagiere ist das Fliegen durch Zuschläge teurer geworden.

Dabei haben die Terrorattacken die Krise nicht ausgelöst, sondern lediglich vorhandene Strukturprobleme wie Überkapazitäten schlagartig verschärft. In den USA und Europa haben Regierungen angeschlagenen Airlines unter die Arme gegriffen - für Konkurrenten eine klare Wettbewerbsverzerrung. Die USA haben mit Milliardenspritzen einen Massenkonkurs verhindert. Zu den Opfern des folgenden ruinösen Preiskampfes zählt die insolvente US Airways, während die ins Schlingern geratene Lufthansa-Partnerin United Airlines eine Pleite mit drastischen Kürzungen noch abwenden will.(APA)

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