Schumis Wechselbad der Gefühle

12. September 2002, 15:34
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Schumacher wird in Monza von Emotionen eingeholt - Die schnelle Konkurrenz wagt keine Prognosen, hofft jedoch, dass es enger wird

Monza - Extreme Gefühle und Emotionen wie mit kaum einem anderen Grand Prix verbindet Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher mit dem Ferrari-Heimrennen in Monza. Nach seinem ersten Sieg im Königlichen Park mit den "Roten" 1996 kannte seine Freude keine Grenzen. Vier Jahre später weinte er nach seinem neuerlichen Triumph im Grand Prix von Italien wie ein Schlosshund, weil er mit Ayrton Senna an Grand-Prix-Siegen gleichgezogen hatte. Im Vorjahr stand Schumacher wegen der Terroranschläge in New York und Washington unter Schock und hätte das Rennen am liebsten boykottiert.

"Wilde Fete"

"In diesem Jahr, wieder mit beiden Titeln in der Tasche, wollen wir diese Erfolge mit unseren Tifosi feiern - im vergangenen Jahr konnten wir das ja nicht tun wegen der Ereignisse", kündigte der fünffache Champion eine wilde Fete für das Wochenende an. Mit einem weiteren Sieg in Monza möchte der 63-fache Grand-Prix-Gewinner den Freudentaumel der Ferraristi zusätzlich anheizen. "Ich kann zumindest versprechen, dass wir unser Bestes geben werden, um den Fans einen weiteren guten Grund zum Feiern zu geben!"

"Ein ganzes Stück enger"

Trotz der "Spaziergänge" in Budapest und Spa warnte Schumacher vor Euphorie: "Auf jeden Fall wäre es vermessen, von einem erneuten Doppelsieg für Ferrari auszugehen." Die jüngsten Testfahrten auf der letzten klassischen Hochgeschwindigkeitsstrecke hätten gezeigt, dass es in Monza "ein ganzes Stück enger zugehen wird als in Belgien. In meinen Augen werden die Williams-BMW und die McLaren-Mercedes relativ stark sein", meinte der Rheinländer.

Empfindliche Niederlage

Schumachers Vorsicht ist berechtigt: In der vergangenen Saison fügten die Weiß-Blauen den Roten im Prestige trächtigen Heim-Grand-Prix eine empfindliche Niederlage zu. Der Kolumbianer Juan Pablo Montoya feierte in Monza seinen bisher einzigen Formel-1-Sieg, Ralf Schumacher wurde im zweiten Williams-BMW Dritter hinter Rubens Barrichello.

Allerdings fuhr dessen völlig verzweifelt wirkender Bruder wohl absichtlich auf Rang vier, um weiteren quälenden Fragen bei der Pressekonferenz der drei Erstplatzierten aus dem Weg zu gehen. Die Flugzeugattentate vom 11. September, die von Kollegen verweigerten Sicherheitsmaßnahmen trotz des Unfalltods eines Feuerwehrmanns im Jahr 2000 und der schwere Unfall Alessandro Zanardis beim IndyCar-Rennen am Lausitzring hatten Michael Schumacher schwer zugesetzt.

Keine Prognosen

Wegen der roten Dominanz und der veränderten Situation glauben "Schumi II" und Montoya selbst kaum an eine Wiederholung dieses Traumergebnisses. "Nach der Überlegenheit von Ferrari im letzten Rennen in Spa wage ich schon kaum mehr, eine Prognose für das Rennen in Monza abzugeben", erklärte Ralf Schumacher. "Normalerweise müsste uns der Hochgeschwindigkeitskurs liegen, aber das hatten wir vor Spa auch gedacht." Der Kolumbianer pflichtete ihm bei: "Wir werden uns sehr schwer tun, das gleiche Resultat wieder zu erzielen."

Nächster Weltrekord?

Selbst wenn Michael Schumacher am Sonntag (Start: 14:00 Uhr/live in ORF1 und Premiere) unterliegen sollte, hielte sich die Enttäuschung angesichts der bisherigen Triumphfahrten mit Weltrekorden am laufenden Band in Grenzen. Schon ein fünfter Platz würde dem seit 19 Rennen in Serie - mit Ausnahme von Monza 2001 - immer aufs Podium gefahrenen Superstar reichen, um auch den von ihm gehaltene Weltrekord von 123 WM-Punkten pro Saison zu verbessern. (APA/dpa)

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    Schon ein fünfter Platz in Monza würde dem Weltmeister reichen, um auch den von ihm gehaltenen Weltrekord von 123 WM-Punkten pro Saison vorzeitig zu verbessern.

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