Brüssel will Ölversorgung sichern

11. September 2002, 17:05
posten

EU-Staaten sollen Energievorräte aufstocken - Möglicher Irak-Krieg treibt Ölpreis

Brüssel/Paris - Die EU-Staaten sollen ihre Energievorräte angesichts der Turbulenzen auf den Ölmärkten deutlich aufstocken. Dies sieht ein Gesetzesvorschlag der EU-Kommission vor. Energiekommissarin Loyola de Palacio begründete die Initiative am Mittwoch in Brüssel mit der "Entwicklung der Energiemärkte und der geopolitischen Unsicherheit". Rohöl ist derzeit so teuer wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Dies führen Fachleute vor allem auf einen möglichen US-Angriff im Irak zurück.

Nach dem Willen der Kommission sollen alle 15 EU-Staaten künftig Öl in einer Menge vorhalten, die dem Gesamtverbrauch von 40 Tagen entspricht. Staatliche Einrichtungen sollten Eigentümer dieser Vorräte sein, erklärte de Palacio. Dies solle einen wirksamen Einsatz der Vorräte in Krisenzeiten garantieren. Außerdem soll der Zugriff auf die derzeitigen Ölvorräte für 90 Tage neu geregelt werden. Diese Lager sollen künftig für 120 Tage reichen.

Beim Gas will die Kommission vorerst keine Vorräte vorschreiben. Sie begründet dies mit den Besonderheiten bei Transport und Lagerhaltung dieses Energieträgers. Die Mitgliedstaaten sollten aber klare Vorgaben für die Versorgungssicherheit ausarbeiten und alle Marktbeteiligten auf ihre Verantwortlichkeiten verpflichten.

Import-Abhängigkeit

Derzeit hängt die EU nach Kommissionsangaben beim Erdöl zu 70 Prozent von Importen ab, beim Gas würden 40 Prozent der verbrauchten Menge eingeführt. Gut die Hälfte der Öl-Importe stammt von der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Die Importabhängigkeit könnte bis zum Jahr 2020 auf 90 Prozent beim Öl und 70 Prozent beim Gas wachsen. Damit stiegen auch die wirtschaftlichen Gefahren, erläuterte die Kommission. Brüssel strebe mit seinen Vorschlägen deshalb eine dauerhafte Versorgung zu vernünftigen Preisen an, betonte de Palacio. Die Kommission will die geplanten EU-Richtlinien mit den Förderländern abgestimmen.

Die zuständigen Minister der OPEC treffen sich am 19. September im japanischen Osaka, um über Fördermengen und Preise zu beraten. Die OPEC hat bereits vor den Folgen eines militärischen Schlags gegen den Irak gewarnt. Ein Militärschlag könne nicht nur die Preise, sondern auch das Öl-Angebot beeinflussen. Die OPEC werde eventuell nicht in der Lage sein, mit ihrer Produktion die Nachfrage zu decken.

Preisanstieg

Der Preis für Rohöl ist im August zum Teil auf mehr als 30 Dollar pro Barrel (159 Liter) gestiegen, so hoch wie zuletzt vor 18 Monaten. Ursache dafür seien schwächere Exporte aus dem Irak, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie Wartungsarbeiten an den Förderanlagen in der Nordsee, berichtete die Internationale Energie-Agentur (IEA) am Mittwoch in Paris in ihrem Monatsbericht. Experten halten für den Fall eines US-Angriffs eine weitere Preisexplosion auf 35 bis zu 40 Dollar für möglich. (APA/dpa)

Link

IEA

Share if you care.