Europas Zeitungen sehen keinen Wandel nach dem 11. September

12. September 2002, 08:41
1 Posting

Eine Auswahl

Hamburg - Die Mehrheit der großen Zeitungen Europas sieht ein Jahr nach den Terroranschlägen vom 11. September keine grundlegenden Veränderungen in der Welt. Eine Auswahl der Pressestimmen:

GROSSBRITANNIEN "The Independent": "Anders als damals angenommen wurde, hat dieser Tag die Welt nicht verändert. (...) Und vor allem: Das, wonach man sich vergangenen Jahr am meisten gesehnt hat, ist nicht eingetreten: ein Gesinnungswechsel. Wir sind keine besseren, nachdenklicheren Menschen geworden."

ITALIEN "Il Messaggero": "Ein Jahr danach. (...) Ein Jahr, das die Welt veränderte, wie man sagt. Aber ist das wirklich so? (...) Wir haben nicht das richtige Mittel gefunden und wir sind, im Westen wie im Osten, zu dem alten Glauben zurückgekehrt, dass der Krieg, der Tod und die Zerstörung die einzigen Waffen bleiben, die es uns erlauben, weiter zu existieren."

NIEDERLANDE "de Volkskrant": "Nach dem 11. September ist keine völlig veränderte Welt entstanden, aber sie ist auch nicht mehr dieselbe. (...) Den Kampf gegen den Terrorismus kann man nicht militärisch führen. In den ersten Tagen nach der Katastrophe des vorigen Jahres ließ Bush erkennen, dass er sich all dessen bewusst ist. Es wäre gut, ihn beim jetzigen Gedenken daran zu erinnern."

FRANKREICH "Les Echos": "Für lange Zeit wird uns Zweifel umtreiben. Wachstum, Reichtum und Entwicklung galten als sicher und prägten so alle Entscheidungen. Doch jetzt herrscht Ungewissheit vor. Der 11. September hat uns in eine andere Epoche eintreten lassen und bisher kann niemand ganz genau sagen, was sie uns bringen wird."

TSCHECHIEN "Pravo": "Der 11. September hat die Welt - leider - nicht verändert. (...) Die Welt und vor allem die USA wurden lediglich davon erschüttert, wie einfach diese Taten waren, und dass sie vermutlich überall wiederholt werden könnten."

BELGIEN "De Standaard": "Die Vereinigten Staaten haben sich im Krieg gegen den Terrorismus arrogant und eigensinnig verhalten. (...) Viele fühlten sich kaum noch als Partner. (...) Die Welt braucht ein Amerika, das mit mehr Verständnis auftritt, und Bundesgenossen - Europa an erster Stelle - die stärker sind." (APA/dpa)

Share if you care.