Weingartner bleibt vorerst Tiroler Landeshauptmann

11. September 2002, 19:35
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Es geht "um das Ansehen des Amtes", der Rücktritt soll trotzdem wie angekündigt im Herbst vollzogen werden

Innsbruck - Mit seinem Plan, Landeshauptmann Wendelin Weingartner (VP) zur baldigen - möglichst sofortigen - Übergabe des Chefamtes zu bringen, ist VP-Obmann Herwig van Staa am Mittwoch an der Strategie seines Parteikollegen gescheitert. Weingartner bleibt vorerst im Amt. Der Zeitpunkt des Amtswechsels wurde nicht, wie von van Staa geplant, am Mittwoch festgesetzt, sondern wird erst in 14 Tagen bekannt gegeben.

Van Staa wollte den Zeitpunkt des Amtswechsels bei einer vorgezogenen Parteivorstandssitzung fixieren lassen - mit dem Argument, die Tiroler ÖVP müsse bei den Nationalratswahlen durch ihn, van Staa, "Geschlossenheit verkörpern". Ein Großteil der VP-Exponenten - wie etwa Bauernbundchef Anton Steixner, Wirtschaftslandesrat Ferdinand Eberle, aber auch Frauenchefin Gesundheitslandesrätin Elisabeth Zanon zur Nedden - hatte tags zuvor eine Zustimmung zum Plan van Staas zu erkennen gegeben, aber die Rechnung ohne den Wirt Weingartner gemacht.

Dieser hatte in einer Pressekonferenz kurz vor der Vorstandssitzung mitgeteilt, er gehe nicht auf Zurufe von außen, denn dies schade der Würde des Amtes, er werde in 14 Tagen den Zeitpunkt der Übergabe nennen. Van Staa sei versichert, dass er als Landeshauptmann den Wahlkampf bestreiten werde.

Der Obmann und die Befürworter eines sofortigen Amtswechsels nahmen diese Ankündigung Weingartners nach einer mehr als zweistündigen Debatte weitgehend zur Kenntnis. Das kryptische Resultat: Weingartner und van Staa einigten sich während der Sitzung auf den Zeitpunkt der Übergabe, ohne Vorstand und Öffentlichkeit jetzt davon in Kenntnis zu setzen.

"In Würde des Amtes und wie es sich für die ÖVP gehört, werden wir innerhalb von zwei Wochen gemeinsam den Termin nennen", so Weingartner. Von Geschlossenheit keine Rede: "Es war äußerst angespannt, sehr heftig", sagte abweichend von allen anderen der Chef des Wirtschaftsbundes Jürgen Bodenseer. (bs/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

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    Wendelin Weingartner bei der Pressekonferenz

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