Damien Hirst in Provokateurslaune

12. September 2002, 13:28
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9/11-Anschlag wäre "eine Art eigenständiges Kunstwerk - böse, aber visuell konstruiert"

London - Damien Hirst, vielfach ausgezeichneter und für seinen provokativen Gestus bekannter britischer Künstler, hat termingerecht die Anschläge vom 11. September als "Kunstwerk" bezeichnet.

Man müsse den Terroristen gratulieren, sie hätten auf einer künstlerischen Ebene etwas erreicht, "was niemand jemals für möglich gehalten hätte", wurde Hirst am Mittwoch im "Guardian" zitiert.

"Mit dem 11. September ist es so, dass das eine Art eigenständiges Kunstwerk ist. Es war böse, aber (...) visuell konstruiert." Der Anblick der in die Türme krachenden Flugzeuge sei "spektakulär" gewesen: "Ich glaube, unsere visuelle Sprache hat sich geändert. Aus einem Flugzeug ist eine Waffe geworden. Als Künstler ist man ständig auf der Suche nach solchen Dingen."

Abzuwarten gilt nun, ob Hirst ein ähnliches Schicksal blüht wie dem deutschen Avantgarde-Komponisten Karl-Heinz Stockhausen, der 2001 wegen einer ähnlichen, mit wohl weniger Vorsatz getätigteren Formulierung viel an Vorwürfen einstecken mußte.

Der 1965 in Bristol geborene Hirst ist vor allem für seine in Formaldehyd eingelegten Tierkadaver bekannt geworden. Seit seinen Installationen bei der Biennale von Venedig 1992 wird er zu den Stars der internationalen Kunstszene gerechnet. 1995 erhielt er den Turner-Preis, die bedeutendste britische Auszeichnung für moderne Kunst. (APA/dpa)

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