STANDARD-Bericht: "Neue Lage, alte Befindlichkeit"

11. September 2002, 11:54
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Umfrage: Für einen Großteil der ÖsterreicherInnen hat sich durch die Anschläge nichts geändert

Für einen Großteil der Österreicher hat sich durch die Anschläge vor einem Jahr in ihrem eigenen Lebensbereich nichts geändert - mag sich die Welt rundum auch völlig neu strukturieren. Viele Österreicher sehen sogar einen Imagegewinn für unser sicheres Land.

Linz - "Vor einem Jahr hat es ja Terroranschläge in den USA gegeben. Was ist so Ihr Eindruck - hat sich da, abgesehen von der ersten Aufregung, die Weltlage sehr verändert, oder ist sie alles in allem gleich geblieben?" Diese Frage ließ der Standard in der Vorwoche 400 Österreichern vorlegen - wobei zwei Drittel klar sagen, dass die Weltlage heute stark verändert ist. Nur 35 Prozent sehen sie als gleich geblieben an.

Alle anderen Fragen, die das Linzer market-Institut in diesem Zusammenhang gestellt hat, ergeben allerdings "ein Bild, das unser Land irgendwie weiterhin als Insel der Seligen zeichnet - man sieht die eigene kleine Welt, die Lage in Österreich und auch die wirtschaftliche Situation als nur in geringem Maß durch die Anschläge beeinflusst", kommentiert market-Chef Werner Beutelmeyer.

Zu den wirtschaftlichen Folgen des 11. September 2001 hat market zwei Thesen vorgelegt:

"Die einen sagen, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Monate vor allem mit den Anschlägen des 11. September zusammenhängen." Dieser Aussage haben sich nur 30 Prozent der Befragten angeschlossen, vor allem die jüngeren.

"Die anderen sagen, dass ein Großteil der Schwierigkeiten auch so gekommen wäre und sich die Manager nur auf die Terrorfolgen ausreden." Diese Gegenthese findet bei 63 Prozent der Befragten Anklang - besonders übrigens bei Anhängern von Grünen und SPÖ.

Eine weitere Frage betraf das "persönliche Umfeld, die Nachbarschaft, in der Sie leben" - ob sich da "die Lage, das Zusammenleben der Menschen" sehr verändert habe? Das haben nur neun Prozent festgestellt - für 91 Prozent ist alles beim Alten geblieben. Ein wenig anders sehen das am ehesten Freiheitliche und Unternehmer - was möglicherweise durch die Wahrnehmung der Ausländerpolitik und durch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Unternehmen erklärbar wäre.

Die noch spezifischere Frage, ob die Befragten ihr "persönliches Verhalten" verändert hätten, wird vor allem von Unternehmern positiv beantwortet. Dagegen wird die Frage der persönlichen Haltung gegenüber "Menschen, die nicht von hier stammen", durchwegs als unverändert bezeichnet - 92 Prozent sagen von sich, da hätte sich seit dem 11. September letzten Jahres nichts geändert.

Grüne Besorgnisse

Fragt man allerdings, wie die Haltung "der meisten Österreicher" wohl aussieht, kommt man zu anderen Zahlen: 70 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen sagen, dass nun ein "stärkeres Misstrauen gegen den Islam" herrsche. Beinahe jeder dritte Befragte sagt, dass die in Österreich lebenden Ausländer besonders überwacht würden - etwas, was vor allem von Grünen beobachtet wird.

Es sind auch vor allem Grüne und höher gebildete Österreicher, die nun annehmen, dass Telefone öfter abgehört werden. Immerhin jeder zweite Befragte geht davon aus, dass die Angst vor dem Fliegen zugenommen habe.

Und es wird auch eine Chance gesehen: Österreich könne sich nun als ein besonders sicheres Land profilieren - das wird von 77 Prozent der Österreicher so gesehen. Beinahe ebenso viele sagen, dass die USA nun kritischer betrachtet würden; ein besonderes Ansehen der USA, die den Krieg gegen den Terror führen, sehen nur elf Prozent.

Den österreichischen Parteien wird allgemein eine besonnene Reaktion attestiert. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. September 2002)

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    Laut einer STANDARD-Umfrage hat sich für den Großteil der ÖsterreicherInnen seit dem 11. September 2001 nichts geändert - mag sich die Welt rundum auch völlig neu strukturieren. Viele ÖsterreicherInnen sehen sogar einen Imagegewinn für unser sicheres Land.

  • Auswirkungen des Terrors auf Österreich (Grafik zum Vergrößern anklicken)

    Auswirkungen des Terrors auf Österreich (Grafik zum Vergrößern anklicken)

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