Filmfestival in Toronto im Zeichen von 9/11

11. September 2002, 20:13
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Premiere von "The Guys" - Euro-Regisseure sprachen über Auswirkungen auf das Action-Genre

Toronto - Das Internationale Filmfestival in Toronto war zum Zeitpunkt der Terroranschläge vom 11. September 2001 in vollem Gange gewesen. Entsprechend breiten Raum nimmt das Thema beim diesjährigen Festival (5.-14.9.) ein. Im Gedenken an die Opfer blieben die Kinoleinwände in Toronto bis zum Mittag dunkel, dann folgte die Kinopremiere des neuen Films "The Guys" mit Sigourney Weaver und Anthony LaPaglia in den Hauptrollen. Er erzählt die Geschichte eines Feuerwehrchefs, der acht seiner Leute in den Trümmern des World Trade Centers verliert.

Bei einem am Dienstagabend abgehaltenen Symposion zum Thema meinten europäische Filmemacher, die allgemein herrschende Verwirrung und Verunsicherung nach den Anschlägen werde sich auch in den Filmproduktionen widerspiegeln. Der belgische Regisseur Lucas Belvaux vertrat die Ansicht, die Welt habe sich durch die Anschläge nicht verändert, sondern lediglich "unsere Sichtweise". "Wir sind nicht mehr so unschuldig wie früher, und ich glaube, das wird sich auch in unseren Filmen zeigen", sagte die norwegische Regisseurin Unni Straume.

Für ihren spanischen Kollegen Daniel Calparsoro wird es künftig schwieriger sein, Action-Filme nach altem Muster zu drehen, in denen Gut und Böse klar definiert sind und das Gute am Ende siegt. Seit den Anschlägen vom 11. September gebe es keine klare Definition des Bösen mehr, "für die einen ist es Osama bin Laden, für die anderen jedoch US-Präsident Bush", sagte Calparsoro. Für ihn stelle sich damit die Frage: "Wenn es keinen Feind gibt, wie kann ich dann einen Action-Film drehen". Nach seinen Worten müssen sich die Filme künftig psychologisch und provokativ mit dem Thema auseinandersetzen. (APA)

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