Auch Österreich gedenkt

11. September 2002, 10:25
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Klestil: Dialog wirksamste Waffe - Ferrero-Waldner warnt in New York vor neuen Gefahren

New York - Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (VP) hat zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September vor neuen Gefahren gewarnt. "Wir sollten uns nicht in falscher Sicherheit wiegen", sagte die Ministerin Dienstagabend in New York. Der nächste Anschlag könnte nicht "laut", sondern in leiser Form mit chemischen und biologischen Stoffen geschehen. "Massenvernichtungswaffen kennen keine Grenzen, daher soll auch unsere Wachsamkeit und Bereitschaft, unsere Werte zu verteidigen, ebenso grenzenlos sein". Österreich werde weiterhin ungebrochen seinen Beitrag zur Bekämpfung des Terrors sowie zur Beseitigung seiner Nährböden leisten.

Die Terrorakte des 11. September waren auch "ein Angriff auf unsere Werte, zu denen Österreich erst auf einem mühevollen und schmerzhaften Weg gefunden hat". Diese Werte zu verteidigen sei gerade vor dem Hintergrund der österreichischen Geschichte ein Imperativ der politischen Vernunft.

Schweigeminute

Österreicher kamen bei den Anschlägen vom 11. September nicht ums Leben, obwohl in den ersten Tagen danach hunderte Namen auf Vermisstenlisten geführt wurden. In Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen sowie in "Dank, dass keine Österreicher betroffen wurden" wird Ferrero-Waldner Mittwoch früh mit österreichischen Diplomaten sowie mit Österreichern, die Augenzeugen der Katastrophe waren, eine Gedenkzeremonie in der UNO-Mission abhalten. Um 8.46 Uhr, zum Zeitpunkt des ersten Einschlags eines entführten Flugzeugs in das World Trade Center, wird in den USA eine Schweigeminute abgehalten.

Gerade zum 11. September sollten die Österreicher sich auch auf zwei andere historische Daten besinnen, meinte Ferrero-Waldner: Der 8. Mai 1945, das Ende des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus, "ein Wendepunkt zum Guten" der Österreich zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verholfen habe. Er mache aber auch bewusst dass Friede in manchen Situationen nur durch den Einsatz von Waffen erzielt werden kann; Der 28. Juni 1914, das Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand, mahne daran, wie aus einem begrenzt scheinenden Konflikt ein Flächenbrand, der Erste Weltkrieg, entstehen könne.

Als Lehren aus der Geschichte sieht Ferrero-Waldner zwei Antworten: Konflikte könnten nur gemeinsam im multilateralen Rahmen der Vereinten Nationen gelöst werden. Weiters müsse das "Primat der Politik" gelten, und zu einer "neuen globalen Fairness" durch Hilfe für die ärmeren Länder führen.

Klestil: Dialog wirksamste Waffe gegen den Terror

Am ersten Jahrestages der Terroranschläge in den USA hat Bundespräsident Thomas Klestil davor gewarnt, sich der Terrorbekämpfung zur "Legitimierung nationalistischer Interessen oder eines Strebens nach Hegemonie" zu bedienen. Bei einer Gedenkstunde am Mittwochvormittag sagte Klestil vor zahlreichen in der Hofburg versammelten Religionsführern und Diplomaten: "Der Kampf gegen den Terrorismus wird nur allzu oft als Vorwand für die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten genützt."

Der 11. September habe "den Lebensalltag der Menschen nachhaltig verändert", erklärte der Bundespräsident. Die Terroranschläge galten nicht nur den USA, sondern der ganzen, trotz aller Differenzen im Dialog verbundenen Staatengemeinschaft. "Der Dialog zwischen Staaten und Völkern, Religionsgemeinschaften und Menschen ist die wirksamste Waffe gegen den Terror", so Klestil.

Nach den Worten des Bundespräsidenten müssen sich die Menschen "der Vielfalt der Lebenswelten stellen". Ein Entweder-Oder werde der Wirklichkeit nur selten gerecht. Aufgabe der politisch Verantwortlichen sei es, "die Gleichwertigkeit von Kulturen und Glaubensgemeinschaften anzuerkennen und ihre Vielfalt zu fördern", was ein Bewusstsein der Überlegenheit und ein Streben nach Hegemonie ausschließe.

Auf "das Grauen und den Lärm des 11. September" folgten "schweigende Betroffenheit" und "eine gewisse Ratlosigkeit", sagte das Staatsoberhaupt. "Die Verletzlichkeit unserer Zivilisation wurde dramatisch offenbar und warf viele Fragen auf, auf die bis heute keine gültigen Antworten gefunden worden sind." Dazu gehörten die Frage, wie das Phänomen des internationalen Terrorismus wirksam zu bekämpfen sei, und wie man zu neuen Formen des Dialogs finden könne.

Dass sich die Welt mit dem 11. September 2001 grundlegend verändert habe, sei keine leere Formel, resümierte Klestil, So sei die Weltwirtschaft schwer getroffen worden, die Finanzmärkte stagnierten, immer mehr Menschen seien arbeitslos, Industrie- wie Entwicklungsländer mit wachsenden sozialen Spannungen konfrontiert. "Den Opfern des 11. September sind wir es schuldig, um eine künftige Welt zu ringen, die frei von Terror und frei von Angst ist", erklärte der Bundespräsident. (APA)

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