Grüne feiern im Wiener Rathaus das "Ende der Wende"

10. September 2002, 22:01
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Van der Bellen will "blau-schwarze Macht" brechen

Wien - Die Grünen begingen am Dienstagabend in Wien ihren inoffiziellen Wahlkampfauftakt. Eigentlich sollten "Fast elf Jahre Grüne im Wiener Rathaus" gefeiert werden, die Veranstaltung wurde aber kurzerhand zum "Ende der Wende-Fest" umfunktioniert. Bundessprecher Alexander Van der Bellen rief dabei im Arkadenhof des Rathauses zum Brechen der "blau-schwarzen Macht" auf: "Wenn Rot und Grün eine Mehrheit bekommt, ändert sich was in diesem Land, egal ob wir in die Regierung kommen oder nicht."

Angesichts der bevorstehenden Neuwahlen herrschte unter den mehreren Hundert Besuchern gelöste Stimmung. In Worte fasste das der Wiener Landessprecher Albert Steinhauser, der am Podium meinte: "Es gibt nichts Schöneres, als den Bruch der Koalition mit einem Fest zu begehen."

Van der Bellen und auch der Wiener Rathaus-Klubchef Christoph Chorherr warnten allerdings vor allzu großer Euphorie. Vor dem Wahlsonntag sei noch nichts entschieden, betonte der Bundessprecher. Auch Chorherr verwies darauf, dass die Grünen als "Umfragenkaiser" schon mache Ernüchterung erlitten hätten. Van der Bellens Stellvertreterin Eva Glawischnig rief die Grünen zu vollem Wahlkampfeinsatz auf.

Van der Bellen verwies darauf, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) deutlich gemacht habe, sich eine Weiterarbeit mit der FPÖ vorstellen zu können. Sollte es keine rot-grüne Mehrheit geben, sei daher eine Fortsetzung des "blau-schwarzen Spuks" möglich, warnte er.

Zur Lage in der FPÖ sagte Van der Bellen, diese befinde sich in freien Fall, "und das ist gut so". Es sei nun "der rechte Rand innerhalb der rechten FPÖ" am Ruder, dieser werde bei der Nationalratswahl keine 20 Prozent einfahren. Ähnlich Chorherr: "Das ist die Chance, die FPÖ erstmals dorthin zu führen, wo sie hingehört, nämlich in eine Wahlniederlage."

Chorherr erteilte auch einer "Retro-Regierung Rot-Schwarz" eine Absage. Es gelte, jene Wähler zu gewinnen, die zwischen den Grünen und der SPÖ schwanken würden. Denn, so Chorherr: "Diesmal ist jede Stimme für die SPÖ eine Stimme für Rot-Schwarz."

Im Publikum befanden sich nicht nur Unterstützer und Mandatare der Grünen, auch Vertreter anderer Parteien wurden gesichtet. Zu den Gästen zählten etwa die nicht amtsführende ÖVP-Stadträtin Herlinde Rothauer und VP-Gemeinderat Johannes Hahn. Hilmar Kabas und Heinz-Christian Strache von der FPÖ waren dagegen nicht als Gäste gekommen. Das Festgelände mussten sie trotzdem überqueren, um zum einzigen noch geöffneten Ausgang des Rathauses zu gelangen.

Persönlich eingeladen und auch anwesend war dagegen Landtagspräsident Johann Hatzl (S). Den Aufruf Chorherrs, Grün statt Rot zu wählen, wollte er auf Anfrage zwar zwar nicht gelten lassen. Eine rot-grüne Koalition sei für ihn aber kein "Schreckgespenst", betonte er. Gemeinsames Ziel sei es, eine parlamentarische Mehrheit von ÖVP und FPÖ zu verhindern. Über Koalitionsoptionen müsse dann rational entschieden werden: "Das hat nichts mit dem Herz zu tun, da muss die Vernunft walten." (APA)

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