Raffinierte Schweine

11. September 2002, 08:30
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Im Wettstreit mit Artgenossen setzen sie nicht nur die Muskeln ein, sondern auch die eine oder andere Finte

Wien - Im Schweinestall werden Auseinandersetzungen nach Forschungen von Mike Mendl von der University of Bristol (Großbritannien) nicht nur mit reiner Muskelkraft ausgetragen. Vielmehr setzen die Tiere durchaus auch ihr Gehirn ein, um ohne Kampf beispielsweise an einen Leckerbissen zu kommen.

Für ihre Studien versteckten die Forscher etwa beliebte Happen an Futter im Stall. Wenn ein Schwein Wind von der Sache bekam und wusste, wo der Leckerbissen versteckt war, so stürmte es nicht direkt darauf zu. Offensichtlich um körperliche Streitereien zu vermeiden, wartete das Tier, bis die Kollegen gerade in eine andere Richtung blickten. Dann machte sich das Schwein heimlich in Richtung Futterhappen auf und verzehrte ihn. "Dieses Verhalten legt die Vermutung nahe, dass Schweine auf sehr komplexe Weise miteinander wetteifern können, gleichsam 'mit dem Gehirn'", so der Wissenschafter.

Unterschiedliche Temperamente

Wie auch Menschen können Schweine sehr unterschiedliche Temperamente haben. Studien, die in Zusammenarbeit mit dem Scottisch Agricultural College durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass Schweine mehr physische Kämpfe austragen, wenn Tiere mit ähnlichen Temperamenten in einem Stall gesperrt werden. Hält man dagegen aggressivere mit friedvolleren Tieren gemischt, so kracht es weniger oft.

Das legt den Schluss nahe, dass Schweine gleichsam mit dem Kopf ihre soziale Stellung ausloten können und sich gegenüber aggressiveren Artgenossen des lieben Friedens willen unterordnen - und zwar bevor es zu gefährlichen Rangkämpfen kommt. In weiteren Untersuchungen soll geklärt werden, wie die Schweine diese soziale Ordnung aufrecht erhalten, wie sie höher gestellte Artgenossen wiedererkennen. Die britischen Wissenschafter nehmen an, dass Gerüche dabei eine Rolle spielen. (APA)

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