Daniel arap Moi räumt mit Widersachern auf

10. September 2002, 19:37
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Kenias Präsident kürt Uhuru Kenyatta zum Wunschnachfolger und verbietet Kritik an ihm

Nairobi/Wien - Uhuru Kenyatta, der 41-jährige Sohn des legendären Staatsgründers Jomo Kenyatta und potenzielle Nachfolger von Kenias Staatschef Daniel arap Moi, soll "gröbere Schweinereien" in seiner Bostoner Studienzeit begangen haben, und er werde sie publik machen: Diese Ankündigung genügte, und Kenias stellvertretender Außenminister Peter Odoyo war am Dienstag seinen Job los, gefeuert von Daniel arap Moi. Uhuru (zu Deutsch Freiheit) Kenyattas "Schweinereien" wurden nicht näher erläutert.

Nach fast einem Vierteljahrhundert will der "Mzee", der "alte Mann", wie er sich nennen lässt, sein Präsidentenamt nach Wahlen, die spätestens Ende dieses Jahres vorgesehen sind, an einen Nachfolger abtreten. Odoyo war das vierte Regierungsmitglied, dem der Präsident binnen zwei Wochen den Hut nachwarf, weil auch er mit dem von arap Moi protegierten Nachfolger Kenyatta nicht einverstanden war. Arap Mois prominentestes Opfer wurde zuvor Vizepräsident George Saitoti, der immerhin dreizehn Jahre im Amt gewesen war. Saitoti kündigte an, er werde trotzdem für die Präsidentschaft kandidieren.

Saitoti zählt zu einer Gruppe von Politikern der regierierenden Partei "Kenias Afrikanische Nationale Union" (Kanu), die sich von Mois Wunschkandidaten Kenyatta distanziert haben. Die so genannte "Regenbogenallianz" drängt auf eine demokratische Kandidatenkür und wird von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützt. Nach 24 Jahren Amtszeit und zwei Regierungsperioden seit Einführung der Mehrparteienwahl im Jahr 1992 kann Moi sich verfassungsgemäß nicht wieder wählen lassen.

Doch Kenias Staatschefs sollen auch im Ruhestand auf Luxus nicht verzichten müssen. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass ihnen dann eine Villa mit zwölf Zimmern, Pool, Sauna und Tennisplatz zur Verfügung steht, dazu sechs Autos, 34 Angestellte und ein eigenes Fitness-Studio. Der Erste, der in diesen Genuss kommen will, ist naturgemäß Daniel arap Moi.

Das Land am Äquator könnte durch einen Kanu-internen Machtstreit zerrissen werden. Nachdem Kenyatta das größte Volk der Kikuyu und Moi den kleinen Stamm der Kalenjin vertrat, sollte der nächste Präsident nach Meinung der meisten Kenianer aus einem anderen Volk kommen. (Gerhard Plott/DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2002)

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    Kenias Vizepräsident George Saitoti (links) wurde von Daniel arap Moi gefeuert, weil er Präsident werden wollte

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