Gen-Streit ohne Gewinner

10. September 2002, 19:13
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Gericht: Bauer Schmeiser schuldet Multi Monsanto keine Extra-Entschädigung

Ottawa/Frankfurt - Ein kanadisches Bundesgericht hat den Gen-Streit zwischen dem Bauern Percy Schmeiser (71) und Monsanto entschieden: keine Entschädigung des Agrarmultis durch Schmeiser für angebliche Profite nach Raps-Patentverletzung, keine Verurteilung des Konzerns wegen "Gen-Verschmutzung".

Percy Schmeiser baut in der kanadischen Provinz Saskatchewan auf 650 Hektar Nutzpflanzen an. 1997 legt er sich mit dem Saatgutmulti Monsanto an. Gegenstand des Streits ist ein Raps mit gentechnisch erzeugter Herbizidtoleranz. Bauern, die damit arbeiten wollten, mussten beim Kauf "Technologie-Verträgen" akzeptieren, wonach sie kein Saatgut aus der eigenen Ernte für die nächste Aussaat zurückhalten dürfen.

Transgene Pflanzen im Labor

Monsanto argumentierte, jeder sei frei, sich für oder gegen RoundupReady zu entscheiden. Um die Markteinführung zu kontrollieren, beauftragte der Multi Detektive, die die Einhaltung der Lizenzverträge überwachten und bei Verdacht Proben nahmen - auch von Schmeisers Feldern. Im Labor wurden transgene Pflanzen gefunden, für die der Landwirt keine Lizenz hatte.

Dieser gab sich schockiert über den Vorwurf, illegal Monsanto-Raps kultiviert zu haben. Und drehte den Spieß um, warf fortan dem Agrarmulti vor, die Früchte seiner jahrzehntelangen Arbeit "verseucht" zu haben. Auskreuzungen von genmanipulier- ten Pflanzen benachbarter RoundupReady-Felder hätten durch Pollenflug und Bienentransport das Erbgut seiner eigenen Zuchtsorten "zerstört".

Greenpeace und Friends of the Earth schickten den streitbaren Bauern mit der Botschaft von der "Gen-Verschmutzung" auf Welttournee. Doch im März 2001 wurde er von einem kanadischen Gericht schuldig gesprochen, ein Patent für Monsantos transgenen RoundupReady-Raps verletzt zu haben. Beide Seiten gingen in die Berufung.

Schadenersatz

Goliath Monsanto forderte schließlich Schadenersatz für den Lizenzbruch, Streitvolumen: rund 300.000 Euro - ein für Schmeiser existenzbedrohender Betrag. In der Berufung forderte der Multi auch noch Profite aus dem Saatgut.

Schmeiser bereitete seinerseits eine Gegenklage wegen Umweltkontamination, Saatgutzerstörung und Rufmord vor, räumte aber im Verfahren ein, auf einem Feld mit RoundupReady-Saatgut von Monsanto "experimentiert" zu haben. Seine 17 Einwände wurden von den Richtern ebenso einstimmig zurückgewiesen wie Monsantos Forderung nach Entschädigung.

Die Reaktionen sind gemischt, einige Bauern empört. Dale Adolph vom kanadischen Raps-Verband dagegen hat mit Schmeisers Niederlage wegen Patentbruch gerechnet: "Viele Leute hatten das Gefühl, dass seine Geschichte zu unglaubwürdig war." (Thomas Deichmann/DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2002)

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