"8 Frauen": Seelenstriptease mit buntem Zuckerguss

27. Juli 2004, 15:57
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François Ozons "8 Frauen", ein Krimi-Kammerspiel mit illustrer weiblicher Starbesetzung und Gesangsseinlagen

Der französische Regisseur François Ozon dreht Filme im Jahrestakt. Sein jüngster, "8 Frauen", ein Krimi-Kammerspiel mit Gesangseinlagen und rein weiblicher Starbesetzung, kommt nun auch in die österreichischen Kinos.


Wien – Im Kino wird wieder gesungen: Nach Woody Allen, Lars von Trier oder Baz Luhrmann hat nun auch der umtriebige französische Regisseur François Ozon das Musical beziehungsweise einzelne Elemente dieses einst so populären Genres für sich entdeckt. Und wenn den Heldinnen seines jüngsten Films 8 Frauen (8 femmes) das Herz übergeht oder der Kragen platzt, dann singen sie lieber, anstatt zu sprechen.

Ozon, der im Vorjahr erst mit Sous le sable Charlotte Rampling eine große Comebackrolle auf den Leib geschneidert hat, setzt seine Arbeit mit (alternden) Stars des französischen Kinos fort und hat seine 8 Frauen mit einer illustren Schauspielerinnenriege besetzt, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Fanny Ardant, Danielle Darrieux, Emmanuelle Béart, Virginie Ledoyen, Firmine Richard und Ludivine Sagnier vor die Kamera geholt.

8 Frauen ist in den 50er-Jahren angesiedelt. Kurz vor Weihnachten treffen die acht Heldinnen in einem großbürgerlichen Landhaus ein, und während sich bereits Spannungen zwischen Schwestern und Schwägerinnen, Müttern und Töchtern, Hausherrinnen und Personal abzeichnen, wird auch noch der einzige Mann im Haus tot in seinem Schlafzimmer gefunden.

Darauf folgt ein Whodunnit im Stil klassischer Krimis. Der Kreis der Verdächtigen ist schnell auf die acht Anwesenden eingeschränkt, die eine nach der anderen ihre intimsten Geheimnisse und damit mehr und mehr mögliche Motive für den Mord preisgeben müssen. Eine Art von Striptease also – was in der Inszenierung mancher Gesangseinlage anklingt, deren Gesten- und Bewegungsrepertoire mitunter an entsprechende Performances erinnert.

Acht Nervensägen

8 Frauen basiert auf einem Theaterstück von Robert Thomas. Der Film ist ein dialoglastiges Kammerspiel, die meisten Szenen sind im Salon des Hauses, am Fuß einer Freitreppe angesiedelt, und die acht Schauspielerinnen wirken in diesem Raum wie auf eine Bühne gestellt – und dort mitunter auch von der Regie allein gelassen.

Huppert, Deneuve & Co liefern boulevardeske Auftritte und dramatische Abgänge. Kreischen, schimpfen und schnellsprechen, was das Zeug hält, geraten einander in die Haare und erscheinen zunehmend als nervende Versammlung von Stereotypen.

Foto: Polyfilm
Es starren v.l.n.r. auf Fanny Ardant: Ludivine Sagnier, Virginie Ledoyen, Catherine Deneuve, Danielle Darrieux, Isabelle Huppert, Firmine Richard und Emanuelle Béart

Der Film ist ganz Kalkül – und an den Kinokassen ist das bis jetzt bestens aufgegangen. Er spekuliert mit der Strahlkraft des Ensembles ebenso wie mit 50er-Jahre-Nostalgie, dem Reiz bunter Dekors und Kostüme – jeder Figur ihre Farbdominante – und filmischer Referenzen: Ozon rekrutiert seine Darstellerinnen aus den gesungenen Filmen von Jacques Demy (Darrieux und Deneuve) und den spröden musikalischen Arbeiten von Alain Resnais (Ardant).

Aber auch der Gesang fungiert in 8 Frauen nur als ein attraktives Versatzstück unter vielen anderen: Jede Aktrice hat ihren entsprechenden Kurzauftritt und ihr Playbacklied. Einige der Performances, wie etwa jene von Isabelle Huppert, die in Großaufnahme, das Gesicht von kleinen verhaltenen Gesten gerahmt, ein gesungenes Miniatur-Melo nach einem Text von Françoise Hardy hinlegt, schaffen es für einen Moment lang, dem Film eine zusätzliche Ebene zu eröffnen und Empathie zu erzeugen.

Die meisten bleiben aufgesetztes, schmückendes Beiwerk und der Film eine grelle Farce, die schnell ermüdet. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

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    foto: polyfilm
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