Techno aus der Savanne

11. September 2002, 10:39
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Issa Bagayogo mischt raue Lo-Fi-Elektronik in die konkreten Rhythmen der Musik Malis: am Donnerstag in der Szene Wien

Zugegeben, das neuerdings durch die Musik-Gazetten schwirrende Kürzel "Techno-Issa" klingt verdächtig plump. Doch die Auguren neokolonialistischer Kommerzexotik können sich diesmal beruhigt wieder setzen. Und seien daran erinnert, dass das Ideal einer "unberührten" traditionellen Musik nicht anderes als eine Projektion romantischer Sehnsüchte des weißen Mannes ist. Dabei ist Issa Bagayogos Biografie keineswegs frei von Klischees:

Als einer von 15 Sprösslingen einer Hirsebauernfamilie im äußersten Süden Malis bringt er es als Sänger und Spieler der N'Goni, der sechssaitigen Bassharfe, zu regionaler Bekanntheit, ehe er in der Hauptstadt Bamako sein Glück macht: Bagayogo, heute 41, lernt Produzent Philippe Berthier sowie Ali-Farka-Touré-Gitarrist Moussa Koné kennen, gemeinsam tüftelt man an einem Konzept aus computergenerierten Dance-Beats, akustischem Instrumentarium und Gesang. So konsequent und überzeugend, wie das in Westafrika bis dato kaum jemand getan hat.

Die Kassette "Sya" (Mali Music) verkaufte sich im Handumdrehen 15.000-mal und wurde 1999 auf CD veröffentlicht. 2002 folgt "Timbuktu" (Six Degrees/Lotus) und prolongiert den Erfolg: Raue Lo-Fi-Elektronik mischt sich als abstraktes Irritationsmoment in die konkreten Rhythmen der Musik Malis, über denen die relaxte Stimme Bagayogos mäandert. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2002)

Von Andreas Felber

Szene Wien, 11.,
Hauffgasse 26,
(01) 749 33 41.
12. 9., 20.00

  • Konsequent und überzeugend, wie das in Westafrika kaum jemand geschafft hat: Issa Bagayogo
    foto: szene wien

    Konsequent und überzeugend, wie das in Westafrika kaum jemand geschafft hat: Issa Bagayogo

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