"Signs": Kornkreise und Familienkrise

27. Juli 2004, 15:56
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Außerirdische und Glaubensfragen: M. Night Shyamalans leises, widersprüchliches Science Fiction- Kammerspiel "Signs"

Mit seinem leisen Sciencefiction- Kammerspiel "Signs" liefert M. Night Shyamalan seinen bisher widersprüchlichsten Film ab: Die Präsenz Außerirdischer dient darin allein dazu, einer Familie beim Glaubensstreit zuzusehen.


Wien - Das erste Bild verschwimmt. Zunächst ist noch ein kleiner Garten zu sehen, in der Mitte eine Schaukel, da legt sich fast unmerklich ein Schleier darüber. Es muss die Erwartungshaltung sein, denn als Zuschauer denkt man bereits an außerirdisches Wirken. Dabei zeigt sich sogleich, dass nur der Zoom durch ein Fenster für den optischen Effekt verantwortlich war.

Eigentlich hätten schon die letzten beiden Filme des US-Regisseurs M. Night Shyamalan Signs - Zeichen heißen können: Sowohl in dem Gespensterfilm The Sixth Sense als auch in dem Superhelden-Drama Unbreakable sind die Bilder überdeterminiert, liegt in ihnen eine versteckte Bedeutung, die sich den Helden erst allmählich erschließt. Shyamalan, indischer Abstammung, gilt seither als Experte für metaphysische Sujets, die er auch originell umzusetzen versteht.

In Signs sind die Zeichen von Beginn an breit gestreut, aber sie formen scheinbar keine gemeinsame Beweiskette. Der Film überlässt es dem Zuschauer, sie zu deuten. Erst allmählich lösen sich die Zusammensetzung, das Verhalten der Familie auf, die eines Morgens Kreise in ihrem Maisfeld entdeckt. Bald darauf beginnen die Hunde übermäßig zu knurren, oder ein nächtlicher Eindringling verschwindet so schnell, wie er aufgetaucht ist.

Aber auch die Familie selbst - angeführt vom Vater (Mel Gibson), der zugleich ein Exvater, also ehemaliger Pastor ist - scheint etwas aus dem Takt: Die kleine Bo lässt beispielsweise im ganzen Haus halb volle Wassergläser stehen; bei einem Ausflug in die Kleinstadt wirken sie ein wenig wie Fremde, was auch an der - insgesamt großartigen - Kameraarbeit von Tak Fujimoto liegt, die die Figuren in Nahaufnahmen aus dem Umfeld isoliert.

Foto: Buena Vista

Die Kornkreise weiten sich unterdessen zum globalen Phänomen aus. Man erfährt das nur über das Fernsehen, denn Shyamalan engt, ähnlich wie Hitchcock in The Birds, seine Perspektive auf die allerkleinste Gruppe ein. Es geht ihm um den Effekt des Ereignisses auf die Familie, was durchaus komische Momente mit sich bringt. Der Außerirdischen selbst wird man wie in einem B-Movie nur in wenigen Details ansichtig.

Alien am Babyfon

Dass Signs trotz hübscher inszenatorischer Einfälle - eine Art Showdown wird nur mit dem Licht einer Taschenlampe ausgetragen, auf dem TV-Bildschirm ist nicht die Gefahr von außen zu sehen, sondern jene im eigenen Wohnzimmer - dennoch scheitert, liegt weniger daran, dass sich die Aliens als böse Invasoren herausstellen und übers Babyfon abhörbar sind; es hat damit zu tun, dass der Plot auf die Auflösung eines Traumas, den Unfalltod der Mutter, ausgerichtet ist.

Shyamalan, der sinnträchtig selbst als der Verursacher dieses Unglücks im Film auftritt, unterteilt die Welt in hoffnungslose Skeptiker und hoffnungsvolle Gläubige. Mel Gibson wandelt sich im Laufe des Films vom einen zum anderen. Mit der Gefahr von außen findet er zurück zu Gott und zur Führungsstärke. Dabei beginnt er die Zeichen als Indizien für Handlungen zu lesen, und Koinzidenzen erweisen sich als schicksalshaft.

Für einen Sci-Fi-Film bleibt Signs zutiefst widersprüchlich: Er bereichert das Genre um ein stilles Kammerspiel, in dem das (vermeintliche) Ende der Welt als Testbild erscheint. Am Ende verriegelt er jedoch alle Fenster, lässt einem keinen Ausweg und nichts offen. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2002)

Von
Dominik Kamalzadeh

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'Signs' @ Touchstone
  • Kein Alien, nur der asthmakranke Sohn: Mel Gibson und Joaquin Phoenix in M.Night Shyamalans "Signs"
    foto: buena vista

    Kein Alien, nur der asthmakranke Sohn: Mel Gibson und Joaquin Phoenix in M.Night Shyamalans "Signs"

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