Kaprun-Prozess überfordert das Gericht

11. September 2002, 19:15
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Verzögerung bei der Protokollerstellung - Anwalt erhebt Beschwerde

Salzburg - Das Salzburger Landesgericht ist den organisatorischen Anforderungen des Strafverfahrens rund um die Brandkatastrophe im Stollen der Kapruner Seilbahn nicht gewachsen. Trotz Sommerpause lägen noch immer nicht alle Verhandlungsprotokolle aus der ersten Prozessphase vor, beklagen Verteidiger wie Privatbeteiligte. Ein Anwalt hat Beschwerde beim Gerichtspräsidenten erhoben.

Die Verzögerung bei der Protokollerstellung liegt an fehlenden Schreibkräften. Über den Sommer seien Schreibkräfte zu anderen Verfahren abgezogen worden, berichtet Richter Manfred Seiss. Er musste am Mittwoch mit Rücksicht auf die überarbeiteten Protokollführerinnen sogar einen Zeugen ausladen.

Inhaltlich drehte sich das Verfahren um den Tod von 155 Menschen am Mittwoch erneut um den Heizlüfter der deutschen Firma Fakir, der laut Gutachten brandauslösend gewesen sein soll. Fakir-Geschäftsführer Wolfgang Buchert bestätigte im Zeugenstand, dass das Gerät aus dem unteren Preissegment nur für die stationäre Anwendung gedacht war.

Ein Einbau des Heizgerätes, von dem über 670.000 Stück produziert wurden, sei ebenfalls nicht vorgesehen gewesen, da so zu wenig Frischluft zugeführt werden könne. Soweit ihm von Bildern bekannt, war die Konstruktion in der Kapruner Seilbahn "bedenklich". (dog, neu/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2002)

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