FP-Pumberger: "Haider sollte gehen"

10. September 2002, 18:22
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Der freiheitliche Nationalratsabgeordnete im STANDARD-Gespräch über "Putschisten", "Handlanger" und "Auftragskiller"

Der oberösterreichische FPÖ-Abgeordnete Alois Pumberger spricht in Tagen wie diesen schon mal in seiner Zivilprofession als Arzt, wenn es eigentlich darum geht, die politische Lage seiner Partei und maßgeblicher Funktionäre zu beschreiben: "Ich verstehe ihn nicht mehr - auch nicht als Arzt", sagte der im Innviertel als Arzt praktizierende FP-Politiker am Dienstag im Gespräch mit dem Standard über Jörg Haider. Dieser müsse sich - zum Wohl der FPÖ - zurückziehen: "Haider müsste schon längst erkannt haben, dass er gehen sollte", sagt Pumberger. Spätestens jetzt sollte Haider nicht einmal daran denken, die FPÖ noch einmal zu übernehmen, fordert Pumberger.

Nicht nur Jörg Haiders Rolle im Vorfeld zum Knittelfelder Delegiertentreffen ist für Pumberger höchst unrühmlich. Den besonderen Unmut Pumbergers hat sich der "Unterschriften-Treuhänder" von Knittelfeld, FP-Volksanwalt Ewald Stadler, zugezogen.

"Dieser Stadler ist eine Schande für Österreich", poltert der FP-Bezirksparteiobmann von Ried im Innkreis und mag nicht einmal mit dem Gedanken spielen, Stadler könnte an die Spitze des FPÖ- Klubs gehievt werden. Das wäre der Zeitpunkt für seinen sofortigen Rücktritt als Abgeordneter, betont Pumberger.

Stadler sei immerhin als "Auftragskiller Jörg Haiders" ins Feld gegen Parteichefin Vizekanzlerin Susanne Riess- Passer gezogen, um sie mit einer "generalstabsmäßig geplanten Strategie des Putsches" loszuwerden, empört sich der langjährige FP-Mandatar. Es sei nie um Sachfragen gegangen. Immerhin - "Jetzt kann sich jede Bananenrepublik der Welt eine Lehranleitung für einen Putsch bei Haider und Stadler holen", so Pumberger zynisch.

Damit habe sich Haider selbst aus dem Rennen um die Nachfolge seiner Nachfolgerin Riess-Passer an der Parteispitze gebracht. "Nein", kommt als prompte Antwort, auf die Frage, ob Haider jetzt wieder Parteiobmann werden solle. Bestätige die von ihm betriebene Demontage der freiheitlichen Regierungsmannschaft doch eines, so Pumberger: "Mit so einem instabilen Faktor ist höchstens in Kärnten ein Staat zu machen."

In Kärnten hat Haider auch just jenen Mann zum FP- Landesgeschäftsführer gemacht, der seit Knittelfeld als "Papierzerreißer" zu Prominenz gekommen ist: Kurt Scheuch. Für Pumberger ein Beweis, "dass Haider in Personalfragen oft geirrt hat".

"Spring in die Jauchegrube"

Zur Zerreißaktion seines Kärntner Klubkollegen Scheuch sagt Pumberger: "Ich will nicht seinen Intelligenzquotienten beurteilen. Aber wenn Haider sagt, spring in die Jauchegrube, dann tut er es. Scheuch eignet sich perfekt als Handlanger."

Nicht nur er, so Pumberger, sei empört über die Vorkommnisse in der FPÖ. In seinem Bundesland Oberösterreich "formiert sich massiver Widerstand" - vor allem gegen Landesobmann Hans Achatz, dem man seine Mitwirkung am Treffen in Knittelfeld ankreidet. Achatz müsse sofort zurücktreten. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2002)

Alois Pumberger, freiheitlicher Nationalratsabgeordneter und praktizierender Arzt, stellt eine vernichtende Diagnose über die FPÖ: "Putschisten", "Handlanger" und "Auftragskiller" bevölkerten die FP-interne Szenerie, sagte er zu Lisa Nimmervoll.
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