Völkischer Anwalt und ungeliebter "Notar" der FPÖ

10. September 2002, 17:32
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Volksanwalt Ewald Stadler ist für viele in der FPÖ das neue Feindbild

Ewald Stadler verkörpert in der FPÖ derzeit das Böse - übrigens auch außerhalb der Partei. Ihm wird vorgeworfen, mit seinem Putsch die FPÖ an den Rand des Abgrunds getrieben zu haben. Vor allem Noch- Klubchef Peter Westenthaler, aber auch viele Gesinnungskollegen in den Bundesländern schießen sich auf Stadler ein. Dennoch wird der umtriebige Volksanwalt auch für höhere Positionen in der Partei gehandelt - als Klubchef etwa oder als Parteivorsitzender in Niederösterreich.

Dass er der Mann für den rechten Rand ist, daran hat Ewald Stadler nie Zweifel gelassen. Als vor 16 Jahren die SPÖ-FPÖ-Koalition durch Jörg Haiders Machtübernahme bei den Freiheitlichen gesprengt wurde, da bot sich der damals 25-jährige Stadler als einziger Haider-Gefolgsmann in Vorarlberg an. Die neuerliche Sprengung der Koalition hat er in hohem Maß selber zu verantworten: Volksanwalt Stadler hat die Unterschriften für den von der Parteiführung abgelehnten Sonderparteitag gesammelt, wenn auch nur "quasi als Notar", wie er sagte.

1986, als Haider der Parteiführung unter Norbert Steger in den Rücken fiel, war Stadler noch ein wenig beachteter Gemeinderat in Mäder - aber sein Talent als Scharfmacher sicherte ihm den politischen Aufstieg. Von Haiders Gnaden und nicht immer zur Freude seines eigenen Landesparteichefs Hubert Gorbach. Dieser war erleichtert, als Stadler 1994 ins Parlament wechselte, wo er Klubchef wurde.

Für Haider war Stadler nicht nur wegen seiner Kämpfernatur (Spitzname: "Haiders Dobermann") wertvoll, sondern auch wegen seiner offensiv konservativen Haltungen: "Völkische" Mitglieder hat die FPÖ ja viele, bei Stadler kam aber auch die Verbindung zu rechten Kreisen der katholischen Kirche sowie zu den Anhängern des kirchlichen Rechtsabweichlers Marcel Lefebvre (die die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils verwerfen) dazu.

Mitte der Neunzigerjahre bemühte sich Stadler, die Freiheitlichen in der Nähe der Kirche zu positionieren, um potenzielle ÖVP-Wähler abzuwerben - die Debatten, ob ein "wehrhaftes Christentum" in das Parteiprogramm gehört, beherrschten damals einen ganzen Parteitag.

Rasend erfolgreich war der Wählerfang im katholischen Lager nicht, auch Stadlers Stern war im Sinken. Die Affäre Rosenstingl, die 1998 beinahe zur Zahlungsunfähigkeit der niederösterreichischen Landespartei geführt hätte, gab Stadler andererseits die Chance, sich in Ostösterreich eine neue politische Basis aufzubauen: Er wurde stellvertretender Landesparteichef - als er 1999 seinen Sessel als Klubchef im Parlament räumen musste, konnte er ohne großen Gesichtsverlust Landesrat und, zwei Jahre später, Volksanwalt werden. Mit mehreren national ausgerichteten Reden - in denen er infrage stellte, dass Österreich 1945 wirklich befreit worden ist - rief er sich bei allen Gegnern der Political Correctness in Erinnerung. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2002)

von Conrad Seidl
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