Schweitzer am "naheliegendsten"

10. September 2002, 17:28
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Klubinterner Favorit als Klubchef - Krüger: "Eine griechische Tragödie ist dagegen ein Lustspiel"

"Eine griechische Tragödie ist dagegen ein Lustspiel." Kurzzeit-Justizminister und FPÖ-Abgeordneter Michael Krüger schwankt im Gespräch mit dem Standard, ob er über die aktuelle FPÖ-Inszenierung entsetzt sein oder sie besser überhaupt nicht mehr ernst nehmen soll. "Die Ereignisse überschlagen sich. Alles in der FPÖ steht auf des Messers Schneide. Es geht darum, wohin die Reise geht." Die nächste Reise führt die Mandatare in den FPÖ-Klub, wo am 18. September Klubobmann Peter Westenthaler seine Agenden an einen Nachfolger übergeben will. Darüber, wer das sein soll, gehen die Präferenzen im Klub auseinander, beim nächsten Parteichef ist man sich einiger.

Krüger könnte sich etwa Generalsekretär Karl Schweitzer gut als Westenthaler-Nachfolger vorstellen. Unvorstellbar ist für den Linzer Rechtsanwalt indes der "Treuhänder" der Unterschriften für den Sonderparteitag, FP-Volksanwalt Ewald Stadler: "Das schließe ich aus", weniger aus formalen Gründen, da für den niederösterreichischen FP-Vizechef Stadler andere Abgeordnete Platz im Klub machen müssten. Krügers Widerstand resultiert daraus, dass er eine "integrative Kraft" fordert.

Schweitzer als Klubchef ist auch für den Vorarlberger Reinhard Bösch "am naheliegendsten". Dass Stadler oder der Kärntner Kurt Scheuch, der in Knittelfeld das Riess-Passer-Papier auf offener Bühne zerrissen hat, es werden "glaube ich nicht". Für die Parteispitze "wird wohl ein Personalpaket geschnürt werden müssen. Dabei wird es nicht nur um eine Person gehen", glaubt Bösch.

"Leute, mit denen ich nicht kann"

Ihre persönliche Konsequenz aus dem aktuellen Schauspiel der FPÖ hat indes FP-Abgeordnete Brigitte Povysil gezogen. "Ich bin sehr zornig und enttäuscht und werde daher bei Neuwahlen nicht mehr zur Verfügung stehen." Die Primaria der Linzer Kinderklinik wird sich aus dem Parlament zurückziehen, "denn mit den Leuten, die jetzt Einfluss gewinnen könnten, kann ich mit Sicherheit nicht" - nennt sie explizit "einen der Drahtzieher", nämlich Stadler. Nächster Parteichef müsse eine "Integrationsfigur" sein, so die FP- Kultursprecherin, das könnte Interimsobmann Herbert Scheibner sein, aber auch Jörg Haider. Dass von beiden ein "Nein" dazu vorliegt, kommentiert sie schmunzelnd: "Sie wissen ja, was bei uns Ja und Nein heißt."

Der Wiener Detlev Neudeck bringt Scheibner auch als theoretischen "Wunschkandidaten" für den Klubobmannsessel ins Spiel. Scheibner ist aber nicht auf der Liste. Als realistische Alternative könnte er mit Schweitzer "gut leben". Wenn jemand den Parteichef machen kann, "dann ist das Jörg Haider. Ich glaube, dass er es machen wird und muss."

Die Niederösterreicherin Jutta Wochesländer würde indes gerne ihren Landsmann Stadler in den Klub holen: Er wäre "sehr geeignet". Für die Parteispitze will Wochesländer wie ihr Tiroler Kollege Josef Blasisker nur einen: Haider. Blasisker: "Selbstverständlich Haider. Er ist der Garant für eine starke FPÖ." (Lisa Nimmervoll/ DER STANDARD, 11.9.2002)

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    Karl Schweitzer gilt als logischer Kandidat für das Amt des Klubobmannes

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