Erholung des IT-Marktes erst 2004 in Sicht

10. September 2002, 15:55
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2003 noch von Überkapazitäten geprägt – Real-Time-Business als Gebot der Zukunft

Eine wirkliche Erholung des internationalen IT-Marktes wird es erst 2004 geben, wobei dann auch kein "Boom" zu erwarten ist. Das heurige Jahr kann als "Gap-Year" bezeichnet werden, in der sich die Branche wieder orientieren bzw. neuorientieren wird, meinte Gartner-Analyst John Mahoney am Dienstag vor Journalisten. In Großbritannien wird mit "Gap-Year" das erste Jahr nach dem Universitätsabschluss bezeichnet, wo viele Absolventen eine Auszeit nehmen, um die Lage neu zu überdenken. Dieser Vergleich treffe auf die derzeitige Lage zu. Eine vorrangige Zukunfts-Aufgabe von IT-Verantwortlichen wird darin liegen, den wahren Nutzen von IT-Investitionen, das Business Value, besser darzustellen.

Drei Faktoren

Die derzeitige Ausgangslage ist laut Mahoney von drei Faktoren gekennzeichnet: Zum ersten herrscht eine technologische Überkapazität. Viele Unternehmen hätten im Zuge des Hypes viel zu viele, teils unnütze Applikationen implementiert, die im Zuge des IT-Investment-Booms der Jahre 1995 bis 2000 entwickelt wurden. Ein weiteres Problem sei das fehlende IT-Humankapital, vor allem in Bereichen wie Security oder Architekturen. Das dritte Problem liege in einem Mangel an Managern und echten "Leadern", welche den Fokus richtig setzen. Zusammen mit der schlechten Wirtschaftslage haben diese Faktoren zu Unsicherheit und Glaubwürdigkeitsproblemen geführt, die sich darin spiegelten, dass die IT-Investitionen seit 1999 stetig sanken.

Erfolge "messen"

Ein weiteres Problem liegt in der "Messung" von Erfolgen nach der Implementierung von IT- bzw. Web-Applikationen. So würden sich die Kosten für ein Unternehmen nach der Einführung eines webbasierten CRM (Customer Relationship Management)-Tools erst nach frühestens drei bis vier Jahren amortisieren. Der "Wert" eines B2C-Webshops würde erst nach vier Jahren erkennbar, Content-Management habe eine "Real-World-Payback-Zeit" von ein bis zwei Jahren. "In Europa haben bis heute 85 Prozent der CRM-Systeme versagt", so Mahoney. Das Problem dabei war, dass sich viele normalerweise eher konservative Unternehmen von den "risikofreudigen" Early Adapters anstecken ließen und zu viel IT aufgeladen haben. "Geld ist genug vorhanden, was fehlt ist Zeit."

Erste Besserung 2003

Bereits 2003 werden laut Mahoney erste Zeichen einer Besserung erkennbar sein und die Investitionsbereitschaft wieder zunehmen. Gerade Transparenz sei in Zeiten der jüngsten Finanz- und Bilanzbetrugskandale ein zentrales Element der kommenden Jahre. Gute IT-Applikationen könnten mithelfen, durch absolute Transparenz wieder Vertrauen in die Unternehmen zu gewinnen. 2004 schließlich soll ein neuer "Boom" einsetzen, wobei Mahoney "Boom" mit "der Zeit zwischen zwei Rezessionen" definiert. Das Gebot der Zukunft heiße "Real-Time-Enterprise" (RTE).

Kurze Lieferzeit und schlanke Kostenstruktur

Die Gewinner werden dabei Unternehmen mit der kürzesten "Lieferzeit", der schlanksten Kostenstruktur und den am besten ausgewählten und implementierten IT-Aplikationen sein. 2004 werde zudem den laut Mahoney "Four-Year-Peak-Effect" erreichen. Als wachstumsfördernde Elemente nannte der Gartner-Analyst dabei die US-Präsidentenwahl, die Olympischen Spiele und die Erweiterung der EU.(pte)

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Gartner

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