Börsianer gedenken Terror-Opfer

10. September 2002, 15:32
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Auch Wiener Börse hält zwei Schweigeminuten um 14.46 Uhr ab - Handelssysteme bleiben in Funktion

Wien - Am 11. September, dem Jahrestag der Terroranschläge in den USA, sind die Börsianer in ganz Europa zu zwei Gedenkminuten aufgerufen. Um 14.46 Uhr soll auch der Handel an der Wiener Börse im Einklang mit anderen europäischen Börsen für zwei Minuten ruhen. Mehrere andere Börsen, darunter die Deutschen Börse, die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex, Aktienmärkte in Helsinki, Stockholm und die Euronext, die fusionierte Börse von Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon, werden am Jahrestag der Terroropfer gedenken.

Allerdings wird das Wertpapiergeschäft ebenso wie an den anderen europäischen Börsen nicht zwangsläufig unterbrochen. Die Handelssysteme bleiben in Funktion, die Börsen bitten ihre Mitglieder lediglich während dieser Schweigeminuten nicht zu handeln. Wer sich an den Aufruf nicht halten will, kann auch während der Schweigeminuten Aktien kaufen und verkaufen. Einzig die Börse von Neuseeland hat eine Unterbrechung angekündigt.

US-Börsen eröffnen später

Zum Jahrestag werden die Märkte in den USA in Gedenken an die Opfer erst später mit dem Handel beginnen. Die New Yorker Börse (NYSE) und die Technologiebörse Nasdaq eröffnen erst anderthalb Stunden später um 11 Uhr Ortszeit (17 Uhr MESZ) und schließen wie gewöhnlich um 16 Uhr. Es wird damit gerechnet, dass sich viele Anleger mit mit Aufträgen zurückhalten werden. Zu groß ist die Angst vor neuen Anschlägen oder einem Krieg gegen den Irak.

Am Dienstag, den 11. September 2001, war das erste entführte Flugzeug um 8.46 Uhr Ortszeit in den Nordturm des World Trade Center gerast. Die Wall Street blieb für die verbleibenden vier Handelstage der Woche geschlossen. Am Montag darauf öffnete die Börse, die unbeschädigt blieb, wieder - mit erwartungsgemäß hohen Kursverlusten. Insgesamt kamen rund 2.800 Menschen bei dem Anschlag in New York ums Leben.

Staubwolke

Die New Yorker Börse an der Wall Street liegt in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers, im Herzen des Financial Districts im Süden der Halbinsel von Manhattan. Der letzte der beiden Türme des World Trade Center sackte um 10.29 Uhr Ortszeit in sich zusammen. Vor der riesigen Staubwolke und den herunterstürzenden Hochhaus-Teilen mussten sich die Tausenden von Menschen, die in den Büros rund um die Börse und die Zwillingstürme beschäftigt waren, in Sicherheit bringen. Noch Wochen nach den Anschlägen lag eine feuchte, stinkende Staubwolke über der Südspitze Manhattans.

Vor einem Jahr hatten Händler und Makler harsche Kritik an der Deutschen Börse in Frankfurt geübt. Sie hatte trotz der unübersichtlichen Nachrichtenlage und der Panik unter den Anlegern den Handel weiterlaufen lassen. Auch mehrere Regionalbörsen hatten in einer Telefonkonferenz für eine Unterbrechung plädiert. Doch die Deutsche Börse in Frankfurt hatte sich mit anderen europäischen Handelsplätzen gegen eine Unterbrechung entschieden. "Wenn man das einzige Loch eines heißen Wasserkessels verschließt, kann es sein, dass der Kessel explodiert", wurde argumentiert. Mit dieser Entscheidung seien womöglich noch größere Panikreaktionen verhindert worden. Dagegen blieben die US-Börsen mehrere Tage lang geschlossen. (APA/dpa/Reuters)

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