Deutscher Anschlagsverdächtigter sollte 1999 ausgewiesen werden

10. September 2002, 17:24
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Keine Hinweise auf Verbindungen zu Extremisten

Berlin - Der wegen des Verdachts der Planung von Anschlägen verhaftete Türke Osman P. sollte nach Angaben der baden-württembergischen Behörden bereits 1999 ausgewiesen werden. Anlass sei eine Verurteilung wegen eines Rauschgiftdeliktes gewesen, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe am Dienstag auf Anfrage und bestätigte damit einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim habe aber die Verfügung der Behörde mit der Begründung gestoppt, das Regierungspräsidium sei für die Sache nicht zuständig. Die Sache sei daraufhin dem Landratsamt Rhein-Neckar übergeben worden, sagte der Sprecher.

Insgesamt sei Osman P. wegen fünf Taten vorbestraft, unter anderem wegen Raubes. Schon 1997 habe er in Untersuchungshaft gesessen. Die Behörden in Baden-Württemberg waren schon in die Kritik geraten, weil zwischen ersten Hinweisen von US-Ermittlern und der Verhaftung des Türken rund eineinhalb Monate vergingen.

Eine Sprecherin der für die Ermittlungen zuständigen Staatsanwaltschaft Heidelberg sagte, es gebe weiter keine Hinweise auf Verbindungen des Türken zu einer extremistischen Gruppe. "Wir haben keine Hinweise auf Hintermänner, prüfen aber weiter." Die Bundesanwaltschaft prüft derzeit, ob sie die Ermittlungen an sich ziehen soll.

Osman P. und seine amerikanische Freundin Astrid E. waren am Donnerstag in Walldorf bei Heidelberg festgenommen worden. Sie hatten nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums möglicherweise einen Anschlag in der Heidelberger Innenstadt oder auf US-Einrichtungen in der Region geplant. In der Wohnung des Mannes entdeckte die Polizei den Angaben zufolge Bauteile für fünf Rohrbomben, Chemikalien zur Herstellung von rund 20 Kilogramm Schwarzpulver sowie ein Bild des El-Kaida-Chefs Osama bin Laden.(APA/Reuters)

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