Die ganze FPÖ ruft nach Haider, doch der ziert sich

10. September 2002, 17:38
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Haider-Anhänger und Haider-Gegner wollen den Altparteiobmann als Parteichef zurück - Parteitag vorverlegt

Nach wie vor ziert sich der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, auf den Sessel des Bundesparteiobmannes zurückzukehren. Es sei sinnvoller, wenn dies "jüngere Spitzenkräfte" übernehmen würden, etwa aus der verbliebenen Ministerriege, immerhin sei er "gescheitert". Dass Herbert Scheibner schon abgewunken hat, kümmert Haider nicht: "Ich glaube, ich kann ihn noch umstimmen."

Haider ist allerdings der einzige relevante FPÖ-Funktionär, der sich gegen Haider als Parteichef ausspricht. Ansonsten rufen in seltener Einigkeit Haider-Gegner und Haider-Anhänger nach ihm. "Es ergeht die eindringliche Bitte an Haider, dass er uns in schwierigen Zeiten zur Seite steht", drängt die Haider-Bastion Kärntner FPÖ, die den Aufstand gegen das Regierungsteam wesentlich mitorchestriert hatte. Aber auch das prominenteste Opfer des Aufstands, Noch-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, ruft nach Haider: "Haider als FPÖ- Obmann wäre eine gute und klare Entscheidung. Er hat eine klare Vorstellung, welchen Weg die FPÖ gehen soll", tönt sie ganz unsüffisant. Nicht ohne hinzuzufügen, dass sie beim Parteitag nichts mehr zu sagen habe.

Dieser Parteitag wurde nun von Mitte Oktober auf 21. September vorverlegt. Am Mittwoch treffen die FPÖ-Gremien Vorstand und Rat in Linz zusammen. Der Parteitag findet in Oberwart statt. Stefan Salzl, der so loyale FP-Landeschef Burgenlands, sieht in der Abhaltung des Parteitags im Burgenland eine Art Belohnung dafür, "dass wir uns als stabiler und verlässlicher Partner erwiesen haben". Für die in Oberwart zu treffenden Personalentscheidungen hat er schon Vorstellungen: Jörg Haider solle den Parteivorsitz übernehmen, denn man müsse zuweilen auch Dinge tun, "die man nicht gerne macht".

Auch Vorarlbergs FP-Chef Hubert Gorbach ist "etwas überrascht", dass Haider den Parteichef nicht machen will: "In der derzeitigen Situation wäre es gut, wenn er die Partei wirklich selbst übernehmen würde", empfiehlt Gorbach seinem Alt-Obmann ein Comeback. Denn Gorbach selbst will trotz Haider-Empfehlung nicht Spitzenkandidat werden.

Nur Tirol schert aus

Lediglich Siegfried Dillersberger, ehemals 3. Nationalratspräsident der FP und nun Mitglied des Tiroler Landesparteivorstandes, sagt zum Standard: "Ein Trauerspiel, eine Katastrophe." Er sieht Haider nicht als geeignet für den Vorsitz: "Das wäre kein gutes Zeichen. Er hat selbst gesagt, dass er gescheitert ist. Und ich bin auch nicht für jemand anderen aus der Gruppe, die am Parteistatut vorbei versucht hat, die Regierungsmannschaft auszuhebeln."

Diese, die Regierungsmannschaft, glaubt einhellig, dass Haider zurück an die Parteispitze kommt. Das betonten sowohl der (bleibende) Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck als auch der (scheidende) FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler. Haiders Weigerung nimmt Westenthaler dabei offenbar nicht allzu ernst, wie sein knapper Kommentar zeigt: "Naja, mein Gott." (bs, jub, eli, stein, wei/DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2002)

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