Kirch kann weiter nach Käufer für Springer-Paket suchen

10. September 2002, 14:42
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Im Rechtsstreit mit Deutscher Bank zeichnet sich eine einvernehmliche Lösung ab

Der Münchener Medienunternehmer Leo Kirch hat für den Verkauf seines 40-prozentigen Anteils am Verlagshaus Axel Springer einen weiteren Aufschub von zehn Tagen erhalten. Unterdessen scheint eine Übernahme des Pakets durch den Schweizer Verlag Ringier wahrscheinlich.

Das Landgericht München erklärte am Dienstag, erst am 20. September endgültig über eine Einstweilige Verfügung zu entscheiden, mit der Kirch der Deutschen Bank die Verwertung des Anteils, der dem Institut als Pfand dient, vorerst untersagen wollte. Formaljuristisch könnte die Deutsche Bank damit nun zwar bereits selbst nach einem Käufer suchen, will aber bis zu dem neuen Gerichtstermin darauf verzichten. Unterdessen hat Leo Kirch bei Springer bereits einen Antrag zum Verkauf des Pakets gestellt, was darauf hindeuten dürfte, dass der 75-Jährige bereits einen Investor dafür gefunden hat.

"Rein rechtlich dürften wir jetzt verwerten"

"Rein rechtlich dürften wir jetzt verwerten", sagte Peter Heckel, Anwalt der Deutschen Bank, nach Ende der Verhandlung. Zugleich fügte er aber hinzu: "Die Bank beabsichtigt nicht, bis zum 20. September zu verwerten." Für eine endgültige Entscheidung gab er sich zuversichtlich. Das von Kirch angestrengte Verfahren habe "keine Erfolgsaussichten". Der Vertreter Leo Kirchs, Wolf-Rüdiger Bub, sagte indes: "Ich gehe heute davon aus, dass sich die Parteien bis dahin untereinander einigen." Die Verhandlungen über Kirchs Springer-Paket seien in vollem Gange. Details nannte er nicht, auch wollte er sich nicht äußern, wie eine Einigung aussehen könnte.

Der Springer-Anteil dient der Deutschen Bank als Sicherheit für einen Kredit über 720 Millionen Euro an Leo Kirch. Eigentlich wollte das Institut bereits Ende August darauf zugreifen, hatte sich dann aber mit dem Medienunternehmer darauf geeinigt, bis zum Dienstag darauf verzichten. Obwohl das Gericht in der Sache selbst nun zunächst nicht entschieden hat, ist die Bank nicht mehr dazu verpflichtet, von einem Verkauf Abstand zu nehmen, da die Frist des Vergleichs abgelaufen ist.

Gute Chancen

Für den Kauf von Kirchs Springer-Anteil haben bisher der Schweizer Ringier-Verlag und die WAZ-Gruppe Interesse angemeldet, letztere hat aber wegen interner Streitigkeiten vorerst wieder abgewunken. Es gebe gute Chancen, sich bis zum 20. September mit Ringier zu einigen, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Ringier gilt auch als Favorit von Springer, die einem Verkauf wegen der Vinkulierung der Aktien zustimmen müssen. Kirch hat nach Angaben seines Anwalts beim Verlag bereits Antrag auf Verkauf seines Pakets gestellt. Über diesen solle am 13. September entschieden werden, sagte Bub. Bei Springer war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

In den Kreisen hieß es weiter, derzeit scheitere ein Abschluss unter anderem noch an der Frage, ob Ringier bei Springer über einen Vorstandsposten umfangreichen Einfluss im Unternehmen erhalte. Hauptaktionärin Friede Springer wehre sich noch dagegen. Aber auch die WAZ-Gruppe sei noch nicht aus dem Spiel. Die vorliegenden Angebote bewegten sich in einer Höhe von 800 Mill. Euro bis 1,2 Milliarden Euro. (APA/Reuters)

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