Werber erwarten von Neuwahl Rückenwind

10. September 2002, 21:52
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Fordern Ende der Werbesteuer, "neue Struktur" für FM4 - die medienpolitischen Grundsätze im Wortlaut als Download

Mit der - laut STANDARD-Umfrage - Mehrheit der Bevölkerung freut sich die Werbebranche über Neuwahlen: Bis zu 20 Millionen Euro könnten so heuer für Wahlwerbung anfallen, erwartet der zuständige Fachverband der Wirtschaftskammer.

Konjunkturpaket

"Knittelfelder Konjunkturpaket für die Werbemedien" nennt Fachverbandschef Walter Ruttinger schon das FP-Putschistentreffen in der Steiermark vergangenen Samstag. Werbemedien bedeutet freilich nicht zwingend klassische Medien: In der großzügig geschätzten Millionensumme sind auch "kaum nachvollziehbare" Gelder für Below-the-line-Werbung enthalten. Die reicht vom Kugelschreiber mit Parteilogo bis zum Direktmarketing. Dennoch dürften Print- und Plakatwerbung überdurchschnittlich profitieren, erwartet etwa Klaus Fessel von Focus.

Riesen nicht fördern

Zeitlich nicht ganz so gelegen kommt eine wahlbedingte Parlamentspause den Werbern ebenso: Dienstag legten sie ein Forderungspaket an die Medienpolitik vor. Vom Fachverband getragen, doch auf dem Podium repräsentiert von gewichtigen Vertretern: Elisabeth Ochsner (Panmedia), Paul Schauer (Omnimedia) und Peter Lammerhuber (Mediacom) buchen zusammen pro Jahr Werbung "locker" (Schauer) um 500 Millionen Euro, Gutteil des gesamten heimischen Werbevolumens.

Abschaffung der Werbesteuer

Sie fordern statt "wettbewerbsverzerrender" Presseförderung eine, die nicht länger "reichweitenstarke und teilweise marktbeherrschende" Medien subventioniert.

Viel dringlicher ist ihnen freilich die völlige Abschaffung der Werbesteuer. Dafür könnte der Verfassungsgerichtshof alsbald sorgen - verschiedene Blätter haben wie berichtet wegen Ungleichbehandlung gegenüber Prospektverteilern geklagt.

Von marktbeherrschenden Medien, insbesondere dem ORF, fordern sie Werbepreise, die dem europäischen Vergleich standhalten. Um durchschnittlich fünf Prozent senkt die Anstalt die ihren erst einmal, wenn der Stiftungsrat morgen, Donnerstag, zustimmt. Der Finanzausschuss tat das bereits Montag.

"Vergabe von FM4 an private Anbieter"

Einer anderen Forderung Ochsners und Lammerhubers, die das Papier erstellten, wird der Stiftungsrat eine Abfuhr erteilen: "Vergabe von FM4 an private Anbieter" forderten die beiden. In der vom Verband abgesegneten Fassung steht ohnehin nur noch kryptisch "Neustrukturierung". Vielleicht im Rahmen des ORF, aber mit privaten Partnern, denkt Schauer laut.

Konkreter fordern sie gemeinsam, überregionale Werbespots in Ö2 wieder zuzulassen. Das begrüßte auch SP-Stiftungsrat Karl Krammer: "Das Verbot hat niemand was gebracht." Und weil auch seine Fraktion von Neuwahlen Rückenwind - aus der Oppositionsrolle - erwartet, sinniert er schon über mögliche Änderungen des ORF-Gesetzes. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe,11.9.2002)

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FM4

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