Verzicht auf Chemotherapie

10. September 2002, 13:34
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Durch ein neues Brustkrebs-Verfahren bleibt 50 Prozent der erkrankten Frauen eine Chemotherapie erspart

München - Ein neues Testverfahren bei der Erstdiagnose von Brustkrebs kann nach ExpertInnenangaben vielen Frauen eine Chemotherapie ersparen. Es handelt sich dabei um die Entnahme von Tumorgewebe, bei dem durch ein tumorbiologisches Verfahren eine Risikoabschätzung und der zukünftige Krankheitsverlauf individuell genau bestimmt werden können, sagte Nadia Harbeck vom Frauenklinikum Rechts der Isar der Technischen Universität (TU) München am Dienstag. In Deutschland erkranken jährlich fast 50.000 Frauen neu an Brustkrebs, rund 19.000 Frauen sterben infolge dieser Krankheit.

"Risikoselektion"

Der Test ist maßgeblich an der TU München entwickelt worden und sei bisher in München und Hamburg verfügbar. "Ich rate jeder Frau, bei der Erstdiagnose nach ihm zu fragen", sagte Harbeck. Dadurch würden die Heilungschancen präziser ermittelt. Der praktische Nutzen des Tests sei eine "Risikoselektion". Bei den Frauen, die keinen Lymphknotenbefall der Achsel hätten, könnten 40 Prozent bis 50 Prozent ohne zusätzliche Chemotherapie behandelt werden.

Antikörper-Behandlung

Zur Behandlung von Brustkrebs können die ÄrztInnen jetzt auch erstmals eine Antikörper-Behandlung einsetzen, die gezielt Krebszellen angreift. Dadurch werde die Bildung von Botenstoffen für Tumorzellen und die Ausbreitung der Krebszellen (Metastasierung) auf andere Organe verhindert. Diesen neuen Ansatz bezeichnete der Nobelpreisträger Robert Huber vom Max-Planck-Institut für Biochemie (München) als "sehr interessanten Ansatzpunkt" für eine neue Krebsmedizin. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Ultraschallbild einer Brustkrebs-Patientin
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