Herbstlohnrunde: "Kein Interesse an politischen Turbulenzen"

10. September 2002, 17:10
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Konjunkturentwicklung erschwert Verhandlungen zu Kollektivverträgen - mit Grafik

Wien - Die Sozialpartner wollen die bevorstehende Herbstlohnrunde für rund 200.000 Metallarbeiter und Industrieangestellte aus den politischen Turbulenzen heraushalten. "Beide Seiten haben kein Interesse an einer Beeinflussung durch die Politik wie es in anderen Ländern der Fall ist", betont der Wirtschaftsforscher Alois Guger zur APA. Die Kollektivverhandlungen seien ein Bereich, wo die Sozialpartnerschaft noch funktioniere. Der Startschuss für die heurige Herbstlohnrunde fällt am 27. September und damit mitten in den Wahlkampf. Weitere Verhandlungstermine wurden für den 9. und den 18. Oktober fixiert.

"Wir haben die Politik immer aus den Lohnrunden herausgehalten, auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind", betonte Metaller-Chef Rudolf Nürnberger zur APA. Die Gewerkschaft orientiere sich an den wirtschaftlichen Fakten. Ziel sei es, den Lebensstandard der Beschäftigten zu sichern.

Vorsicht mit Kämpfen

Eine politische Beeinflussung schließt auch der Chef-Verhandler der Industrieangestellten in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Karl Proyer, aus. "Gerade angesichts der politischen Turbulenzen dieser Tage erwarten sich die Beschäftigten eine stabile und berechenbare Einkommensentwicklung. Die heurigen Verhandlungen werden unter den Vorzeichen Kontinuität und Verantwortung stehen. Die Arbeiter und Angestellten werden sich diesbezüglich auf ihre Gewerkschaften verlassen können."

Einen Konflikt wie bei der deutschen IG Metall im vergangenen Juni hat es in Österreich noch nicht gegeben. Metaller-Chef Rudolf Nürnberger hat zwar erst kürzlich mit Streiks im Herbst gedroht und als mögliche Bereiche die Post, die ÖBB, die ÖIAG und die Beamten genannt. Allerdings, so betonte er in der Radio-Reihe "Im Journal zu Gast" müsse die Gewerkschaft mit dem "letzten Instrument" der Kampfmaßnahmen "sehr vorsichtig" umgehen.

Konjunkturentwicklung erschwert Verhandlungen

Auf Grund der unsicheren Konjunkturentwicklung seien jedenfalls schwierige Kollektivvertragsverhandlungen zu erwarten, betonte Wifo-Lohnexperte Guger. Bei den Verhandlungen werde es stark auf die Signale aus den Betrieben ankommen, weniger auf die klassischen Richtwerte Inflation und Produktivitätsgewinn.

Im Vorjahr standen die Lohnverhandlungen unter dem Eindruck der Terroranschläge am 11. September. Die Sozialpartner einigten auf eine Erhöhung der Ist-Löhne um 2,9 Prozent, mindestens aber um 43,6 Euro, damals 600 S. Bei den Mindestlöhnen wurde eine Erhöhung um 3 Prozent vereinbart. Die Elektroindustrie mit rund 60.000 Beschäftigten hat im Vorjahr erstmals im Alleingang verhandelt und wird auch heuer wieder gesondert verhandeln. (APA)

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