"Ohne Internet-Zugang kann ich nicht leben"

10. September 2002, 17:03
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Kann man mit kostenpflichtigen Wlan-Angeboten Geld verdienen? - In den USA herrscht Katerstimmung - Eine Branche auf der Suche nach Angeboten

In den USA herrscht in der Wi-Fi-Branche Katerstimmung. Können Unternehmen tatsächlich noch mit drahtlosen und kostenpflichtigen Internet-Zugängen Geld verdienen? Längst sind zahlreiche Flughäfen, Hotels und Restaurants vernetzt, doch kostenlose Zugänge durch private Anbieter, die ihre Netze öffnen und hohe Investitions-Kosten sorgen eher für Pleiten, denn für erfolgreiche Geschäftsmodelle.

EarthLink-Gründer auf Abwegen

Vor nun mehr acht Jahren gründete Sky Dylan Dayton das Unternehmen EarthLink, nun versucht der Internet-Pioneer sein Glück mit Wi-Fi-Angeboten sein Glück. Das neu gegründete Unternehmen Boingo soll Gewinne und Kunden bringen und in der heiß umkämpften Branche bestehen können. In einem Interview mit der Zeitschrift Wired spricht Dayton über seine Pläne und sein Geschäftsmodell.

"Ohne Internet-Zugang kann ich nicht leben"

Auf die Frage warum sich Dayton in die Wi-Fi-Branche begeben hat, antwortet er wie folgt: "Ich bin der Typ Mensch der dafür kämpft einen Internetzugang zu haben. Ohne Internet-Zugang kann ich nicht leben. Es ist wie wenn man mir die Sauerstoffzufuhr abschneidet". Deshalb sollen in den USA und den angrenzten Ländern so schnell wie möglich Access Points für den drahtlosen Internet-Zugang geschaffen und Kunden für die Angebote gefunden werden.

Das Geschäftsmodell

Boingo verkauft Internet-Zugänge via Wi-Fi, einer drahtlosen Technologie, die über kurze Strecken Breitband-Internet mit Raten von 11-Megabit in der Sekunde über Radiowellen ermöglicht. Nachdem Wi-Fi im privaten Rahmen schon einen Fixplatz hat, sollen nun auch öffentliche Plätze erschlossen werden. Dayton will Boingo durch einige Zusatzangebote und seiner Meinung nach unschlagbaren Preisen zum Durchbruch verhelfen. Für eine Monatsgebühr von rund 25 Dollar können sich Kunden an zehn Tagen 24-Stunden von einem Ort ins Internet einwählen, für rund 75 Dollar ist der Zugang unlimiert und kann von verschiedenen Access Pionts ein Monat lang genutzt werden. Eine Einzelverbindung kostet etwa 8 Dollar.

Geld verdienen durch Access Points

Egal wie gut das Angebot auch ist, durchsetzen werden sich kostenpflichtige Zugänge nur wenn genügend Access Points vorhanden sind. Auch hier schwebt Dayton eine einzigartige Variante vor: Besitzer von Restaurants, Kaffeehäusern und ähnlichen Einrichtungen sollen bei Boingo vorgefertigte Hot Spot erwerben und diese in ihren Lokalitäten aufstellen. Im Gegenzug zu den ab 900 Dollar erhältlichen Hot-Spot-Bausätzen, die ein Betreiber kaufen muss, erhält dieser für jeden Kunden der mittels Boingo das Netz nutzt eine Prämie in der Höhe von einem Dollar. Für jeden Neukunden den der Inhaber wirbt werden 20 Dollar "Kopfgeld" bezahlt. So könnten Klein-Unternehmer bis zu 400 Dollar im Monat verdienen, wenn sich jeden Tag 10 bis 12 Leute in seiner Lokalität ins Netz einwählen, so Dayton.

Die Konkurrenz

In dne letzten Jahren und Monaten haben sich viele Start-Ups in den USA bemüht mit Wi-Fi-Zugängen Geld zu machen. Nur einige Wenige sind noch übrig und auch diese verdienen nicht wirklich viel Geld. Großprojekte bei denen etwa Flughäfen vernetzt werden, um so den Passagieren während sie auf ihren Flug warten, noch die Möglichkeit zu geben im Internet zu surfen, sind Mangelware. Wenn doch ein gutes Angebot vorliegt so schaffen es meist die größeren Telekom-Provider sich durchzusetzen und die Installationen vorzunehmen.

Die große amerikanischen Telekom-Anbieter planen ebenfalls landesweite Netze zu errichten. Ob sich diese Angebote allerdings wirklich durchsetzen werden, bleibt weiterhin fraglich. In den Großstädten lassen sich offenen WLAN-Netze leicht finden und nützen und wenn man nur ein paar Mal ins Internet muss ist wohl ein Internetcafe noch immer billiger als ein Wi-Fi-Angebot der unterschiedlichen Anbieter. (red)

  • Offline? "Es ist wie wenn man mir die Sauerstoffzufuhr abschneidet", meint Sky Dylan Dayton.
    foto: photodisc

    Offline? "Es ist wie wenn man mir die Sauerstoffzufuhr abschneidet", meint Sky Dylan Dayton.

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